Kopf des Tages: Sozialist mit grünem Herzen

21. Juli 2005, 19:38
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Karel van Miert - Ein belgischer Sozialist mit grünem Herzen - Von Alexandra Föderl-Schmid

Die Freude über das neue Betätigungsfeld und die Aufmerksamkeit, die ihm (wieder) zuteil wurde, war ihm anzumerken. Karel van Miert genoss sichtlich seinen kurzen Auftritt vor der Presse, als Mittwochnachmittag die neuen Koordinatoren für die vorrangigen EU-Verkehrsprojekte vorgestellt wurden. Van Miert ist für die Brennerstrecke, die für die EU-Kommission die Priorität Nummer eins darstellt, verantwortlich.

Der 63-jährige Belgier gilt in der Brüsseler Behörde für diese Aufgabe als Idealbesetzung: Denn Van Miert war zwischen 1989 und 1994 EU-Verkehrskommissar. In seine Amtszeit fiel 1992 ein Paket mit Empfehlungen der Kommission für einen Ausbau der bestehenden europäischen Verkehrswege bis zur Jahrtausendwende. Dass sich hier relativ wenig bewegt hat, sieht man daran, dass nun just Van Miert bei diesen Projekten Dampf machen soll.

Dass der mit einer Ostdeutschen verheiratete Flame perfekt Deutsch spricht, war mit ein Grund, warum ihn die Brüsseler Behörde für diese Aufgabe ausgewählt hat. Denn Van Miert soll bei Problemen zwischen Österreich und der EU-Kommission vermitteln und auch zwischen Nord- und Südtirol. Das Transitproblem, auf das Österreich auf europäischer Ebene seit Jahren hinweist, ist ihm bekannt: Es war Van Miert, der Anfang der Neunzigerjahre davor warnte, dass die Gesamtverhandlungen über den Beitritt Österreichs zum Europäischen Wirtschaftsraum mangels Einigung über den Transitverkehr scheitern könnten.

Dabei gilt Van Miert als Sozialist mit dem grünen Herzen, der sich als Abgeordneter in Belgien und im EU-Parlament als Atomkraftgegner und engagierter Umweltexperte einen Namen gemacht hat. Als der Absolvent der Diplomatie der Universität Gent in die EU-Kommission berufen wurde, hieß es, er hätte lieber das Umwelt- als das Verkehrsressort übernommen.

Als Wettbewerbskommissar, was er 1995 wurde, hat sich Van Miert auch mit großen Konzernen angelegt, was ihm den Spitznamen "Karel der Große" eintrug. Wenn es ihm um eine Sache geht, kann der ansonsten freundlich und verbindend auftretende Flame auch sehr stur sein.

Van Miert, der 1964 als Praktikant zum ersten Mal mit der Brüsseler Behörde zu tun hatte, galt auch als Anwärter auf den Posten des EU-Kommissionspräsidenten. Er kam dann doch nicht zum Zug und zog sich 1999 an die Wirtschaftsuniversität Nyenrode bei Utrecht und in seinen Garten zurück. Auch seine zahlreichen Aufsichtsratsmandate dürften ihn nicht ausgefüllt haben, sodass er die Bestellung zum EU-Verkehrskoordinator offensichtlich gerne angenommen hat. Van Miert erhält eine Aufwandsentschädigung von 1500 Euro monatlich und ist für mindestens vier Jahre bestellt. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.7.2005)

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