Wo 1360 Schmetterlingsarten fliegen

21. Juli 2005, 19:20
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Ehemalige Weideflächen, so genannte "Trockenrasen", bewahren die Artenvielfalt

Wien - Ursprünglich war Mitteleuropa fast zur Gänze mit Wald bedeckt - ein Umstand, der sich bekanntlich änderte, als unsere Vorfahren anfingen, große Flächen für Ackerbau und Viehzucht zu roden. Trockene, nährstoffarme Flächen, die sich nicht als Felder eigneten, wurden als Hutweiden genutzt, wo Schafe, Ziegen und Rinder unter Aufsicht (Hut) geweidet wurden. In Gegenden mit warmem, niederschlagsarmem Klima, wie dem Burgenland und dem östlichen Niederösterreich, entstanden auf die Art Flächen, die die Wissenschaft heute Trockenrasen nennt. Zahlreiche wärme- und trockenheitsliebende Tier- und Pflanzenarten stoßen auf den Trockenrasen der Thermenlinie, in den Hundsheimer Bergen oder auf den Kalkklippen des Weinviertels an die westlichste bzw. nördlichste Grenze ihres Verbreitungsgebietes, so das Ziesel, die Smaragdeidechse, die Sägeschrecke, die Sibirische Glockenblume oder der Tatarische Meerkohl.

Auf dem Eichkogel bei Mödling wurden bisher mehr als 900 Käferarten nachgewiesen und auf den Hundsheimer Bergen 1360 Schmetterlingsarten. All das macht Trockenrasen zu den artenreichsten und für den Naturschutz wertvollsten Lebensräumen Mitteleuropas.

Seit der Aufgabe der Freilandviehhaltung in den 1950er-Jahren sind jedoch nicht nur die Bewohner der Trockenrasen gefährdet, sondern auch die Standorte selbst, denn ohne Beweidung oder Mahd verlieren sie sehr rasch ihre entscheidenden Charakteristika. Im Rahmen eines LIFE-Natur-Projektes, das zu 60 Prozent von der EU, zu 37 Prozent vom Amt der Niederösterreichischen Landesregierung als Projektträger und zu drei Prozent vom Lebensministerium finanziert wird, werden derzeit an elf Standorten umfangreiche Pflege- und Managementmaßnahmen gesetzt. Dazu gehören vor allem die Entfernung bereits aufgekommener Sträucher und Bäume und regelmäßige Beweidung oder Mahd - in dem meist unwegsamen Gelände alles kostenintensive Unternehmungen. Gleichzeitig werden die Auswirkungen dieser Maßnahmen wissenschaftlich verfolgt, um das Management zuverlässig steuern zu können. Nach Auslaufen des Projektes Ende 2008 sollen vorwiegend regionale Landwirte für die Pflege der Trockenrasen verpflichtet werden. (Susanne Strnadl/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21. 7. 2005)

  • Ein österreichischer Drachenkopf
    foto: heinz wiesbauer

    Ein österreichischer Drachenkopf

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