34 Euro für die Steirerobst sehr ordentlicher Preis

29. Juli 2005, 15:30
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Dicke Luft bei Agrana-Tochter Steirerobst. Kleinaktionäre halten den im Rahmen eines "Squeeze-out"-Verfahrens gebotenen Preis für zu gering - Vorstand Marihart im STANDARD-Interview

DER STANDARD: Agrana hält über die Steirische Agrarbeteiligungsgesellschaft 91,5 Prozent der Steirerobst. Warum das Squeeze-out?

Marihart: Das Handelsvolumen und der Streubesitz rechtfertigen keine Börsenpräsenz der Steirerobst mehr. Eine zweite Notiz neben der Agrana ist nicht sinnvoll. Auch muss Agrana jetzt natürlich die Steirerobst-Gruppe in den Fruchtbereich hineinkonsolidieren. Steirerobst bringt einen etwa 120-Millionen-Euro-Umsatz in einen 800 Millionen starken Fruchtbereich der Agrana ein, wenn man in die Agrana schon heute alle Akquisitionen konsolidieren würde. Und außerdem steckt die Agrana durch Akquisitionen wie Atys, Vallö und Wink im Fruchtbereich in einer Integrationsphase.

DER STANDARD:Nun hat es aber Beschwerden der Steirerobst-Kleinanleger gegeben, dass das Abfindungsangebot von 34 Euro zu niedrig ist. Steirerobst hat am Montag an der Wiener Börse mit 45 Euro geschlossen und war schon bei 55 Euro.

Marihart: Es sieht zwar so aus, als gäbe es da ein Missverhältnis von Börsenkurs und Bewertungsgutachten. Ich kann dem nur entgegenhalten, dass ein Angebot von 34 Euro in etwa dem 14fachen operativen Betriebsergebnis Ebit entspricht.

DER STANDARD: Wie hat die Bandbreite im Gutachten ausgesehen?

Marihart: Unter 30 bis unter 34 Euro. Einen Multiplikator von 14 kann man nicht als schlechtes Angebot sehen, denn Agrana hat für seine Fruchtsaftbeteiligungen nie mehr als das Zehnfache bezahlt. Im Nahrungsmittelbereich, im Business-to-Business, ist nicht mehr üblich. Das ist ein großzügig gerechnetes Angebot.

DER STANDARD: Und der Börsekurs?

Marihart: Steirerobst ist ein illiquider Wert. Der Kursverlauf der Steirerobst ist geradezu die Rechtfertigung dafür, dass man einen Börsenrückzug macht. Wenn ein geringer Freeflow zu erratischen Kursbewegungen bei geringsten Handelsvolumina führt, dann gibt es ja gerade deshalb die Möglichkeit des Squeeze-out. Und deshalb ist der Börsenkurs für die Bewertung nicht wertrelevant, weil eben da Kursgestaltung Tür und Tor geöffnet wird. Man braucht sich nur die gehandelten Stückzahlen ansehen.

DER STANDARD: Aber Steirerobst-Vorstände haben noch im Frühjahr beim Verkauf von Steirerobst-Aktien viel mehr lukriert als die 34 Euro, nämlich jeweils über zehn Euro mehr.

Marihart: Die Vorstände haben nicht in kritischer Zeit ihre Aktien gehandelt, es ist also von dieser Seite her okay. Und es gab Leute, die zu diesen Preisen gekauft haben. Allerdings, wenn man sich die Stückzahlen ansieht - auch das waren geringe Volumina.

DER STANDARD: Zu einer anderen Problematik, zum Bereich Zucker. Die Vorschläge für eine neue europäische Zuckermarktordnung liegen vor. Wie trifft das die Zuckersparte der Agrana, wenn es weniger Produktion und geringere Preise gibt?


Marihart
: Mit Sicherheit kommt es zu Preissenkungen, die der Konsument vielleicht etwas merken wird. Bei den Lebensmitteln, die Zucker enthalten, wird eine Preisreduktion mit Sicherheit für den Konsumenten nicht sichtbar sein. Wir als Zuckerverarbeiter glauben, dass wir aufgrund unserer Gunstlage von Produktionsherausnahmen verschont bleiben, auch wenn die Gesamtproduktion der EU, 20 Mio. Tonnen, um etwa ein Drittel sinken wird. Wir rechnen daher damit, dass wir keine Produktionen einbüßen. Aufseiten der Margen werden wir einbüßen, und es wird entsprechend rationalisiert werden müssen.


ZUR PERSON:
Der 1950 in Eggenburg geborene Johann Marihart studierte technische Chemie, Fachrichtung Biotechnologie. Er begann 1966 bei der Österreichischen Agrarindustrie (heute Agrana) in Gmünd und ist seit 1992 deren Vorstandsvorsitzender. Daneben ist er auch Präsident des Verbandes der europäischen Zuckerindustrie (CEFS). (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.7.2005)

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    foto: standard/cremer
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