Die Schwierigkeit, zu groß zu sein

31. Juli 2005, 16:12
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Turnier im Wintersportort feiert und denkt

Kitzbühel/Wien - Mag sein, dass 1998 einiges schief gelaufen ist. Der ehrenwerte Kitzbüheler Tennisklub hatte damals die Lizenz an die ATP zurückgegeben, natürlich nicht, um das Turnier loszuwerden. Er wollte ein neues, höher dotiertes, diese Stadt neigt zum Superlativ. Und er vertiefte die Partnerschaft mit Ion Tiriac, man bekam den Status "Golden-Series-Turnier", davon gibt's nur 20 auf der Welt.

Die Lizenz gehört freilich Tiriac, ab 2008 kann er damit machen, was er will (trotz einer Optionsklausel für weitere zehn Jahre). Der Rumäne droht regelmäßig und nach internen Wickel mit dem Abwandern, der asiatische Markt ist zum Beispiel interessanter (größer) als jener in Tirol, was der gestandene Kitzbüheler, aber echt nur der, abstreitet.

Ab Samstag wird der 60er in Kitz gefeiert, der Hauptbewerb beginnt am Montag. Bei der ersten Auflage 1945 siegte Herr Dennis aus den USA, damals nannte sich der Spaß Alpenländer-Pokal. Es sind nun die zwölften Generali Open, der Versicherungskonzern übernahm 1994 die Hauptsponsorschaft. Dieser Vertrag läuft 2006 aus, eine Verlängerung ist ungewiss, aber nicht auszuschließen.

Der Klub hat einen neuen Präsidenten, Gerhard Priglinger. Zwecks Unterstützung und aufgrund realistischer Selbsteinschätzung wurden im Februar unbefristete Beraterverträge mit Peter Michael Reichel und dessen Tochter Sandra abgeschlossen. Sandra Reichel ist nun operative Turnierdirektorin. Die beiden verantworten die Generali Ladies in Linz, Vater Reichel ist zudem Präsident des LASK. Sponsor Generali, der gut ein Drittel zum Gesamtbudget (3,5 Millionen Euro) beisteuert, ist mit dieser Lösung zufrieden.

Sandra Reichel versuchte, "in der kurzen Zeit Akzente zu setzen. Der Besucher soll das Gefühl haben, als Gast willkommen zu sein." 58.000 ÖTV-Klubspieler wurden angeschrieben und eingeladen, natürlich wird ihnen nicht ein kompletter Urlaub bezahlt, sie erhalten je eine Eintrittskarte. "Über die künftige Preispolitik müssen wir diskutieren. Es geht ums richtige Mittelmaß. Tickets nur zu verschleudern, wertet das Produkt ab."

Die "Tennisfamilie" solle sich hier treffen, die Medien müssten zurückgewonnen werden. "Wir brauchen ein jüngeres Image." Der Sport stehe im Vordergrund, "das Entertainment darf nicht zu kurz kommen, deshalb das Motto ,Tennis and More'. In Österreich sollte man weniger auf Namen und Titel schauen, lieber die Leistungen akzeptieren." Der Direktorin schwebt irgendwann (ziemlich bald) ein "gemeinsames Damen- und Herrenturnier" vor.

Herr Reichel sieht ein Hauptproblem darin, "dass es in Kitz zu viele Köche und unterschiedliche Interessen gibt. Das Spannungsfeld zwischen Klub, Politik und Tiriac gehört gelöst". Die Aufstockung des Preisgelds auf fast eine Million Dollar sei unnötig gewesen. Das parallel laufende Turnier im kroatischen Umag kommt mit weniger als der Hälfte aus. Dort ist der spanische Superstar Rafael Nadal topgesetzt, in Kitz führt der russische St.-Pölten-Sieger Nikolai Dawidenko das Feld vor den Argentiniern Mariano Puerta und Gaston Gaudio an, die sind auf Sand stark wie Bären.

Die Amerikaner vergnügen sich derweil in Los Angeles, die US-Hartplatzserie ist ein zusätzlicher Jammer. "In Umag kauften sie rechtzeitig Nadal ein, bei unseren Kosten ist das unmöglich." Man müsse "Verträge früher abschließen und mit der ATP darüber reden, dass es weniger Konkurrenz gibt". Sandra Reichel glaubt trotzdem an ein Gelingen. "Die echte Arbeit beginnt am Tag nach dem Finale." (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 22. Juli 2005, Christian Hackl)

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