Salzburg "noch lange nicht am Plafond"

25. Juli 2005, 10:15
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Das 4:0 gegen Mattersburg, bei dem sich vor allem Alexander Zickler euphorisierte, soll für die Salzburger ein kleiner Schritt auf einem langen Weg gewesen sein

Salzburg - Die Mattersburger machten Manderln, aber die Manderln, die sie machten, waren machtlos im Match gegen eine Mannschaft, die sich aufmacht auf den Marsch. Und der soll ja mittelfristig in die Elite des europäischen Fußballs führen, und den Weiser desselben mimt immerhin Franz Beckenbauer, oberster Repräsentant des Hochadels der Kickerei. Das 4:0 im ersten Heimspiel der Klubgeschichte von Red Bull Salzburg im unbescheidenen Stadion in Wals-Siezenheim gegen den SVM hat ihn, den Kaiser und Berater, sehr gefreut.

18.500 kamen zur Eröffnung der aufwändig aufgemascherlten Sportstätte, und man lehrte sie fürs Salzburger Land ungewöhnliche Bräuche. So erhielten jede und jeder ein weißes Tüchlein, Panuelo genannt, mit dem die Besucher einer spanischen Stierkampfarena ihr Entzücken auszudrücken pflegen. In der Beschreibung steht, dass es auch dazu dient, die Toreros zu besonderer Leistung anzustacheln, aber der SVM ließ sich nicht stacheln. Schon dauerte es 59 Minuten, ehe Ex-Bayer Alexander Zickler zum ersten Mal ansehnlich traf, doch nicht nur das klipp und klare Ergebnis, sondern auch die übrige Statistik sprechen eindeutig gegen den Torero.

Die Salzburger punkteten auf ihrem neuen Kunstrasen bei den Torschüssen (14:8), bei den Flanken (18:10), den Ballkontakten (63 % : 37 %), den gewonnenen Zweikämpfen (54 % : 46 %). Die tapfer kämpfenden Burgenländer brachten gegen den zweiten Krösus im Staat mehr Corner (7:5) und mehr Fouls (30:25) zusammen.

Im Stadion wurden Kartonbrillen mit violetter Durchschaufolie verteilt, und die wacker um die alte Farbe kämpfende, traditionsbewusste Fan-Initiative namens Violett-Weiß protestierte überwiegend elegant mit einem nicht mit voller Konsequenz durchgezogenen Support-Verzicht gegen eine Übermacht. So erhielten die bis jetzt 10.000 Dauerkartenbesitzer rot-weiße Leiberln mit der Nummer zwölf zum Abo dazu.

Alexander Zickler (31), die letzten zweieinhalb Jahre wegen Beinbrüchen und einer Tumor-Operation meist außer Dienst, in den vorsaisonalen Testspielen für die Salzburger ohne Torerfolg, gab nach der Partie den Euphorisiertesten. Beim ersten Tor hatte er Mattersburgs Goalie Thomas Borenitsch überhoben, das zweite erzielte er volley. "Das erste", kommentierte er, "erzeugte ein Glücksgefühl, das zweite schlug den Gegner k. o." Zickler, der bei Dynamo Dresden begonnen, für die Bayern in 232 Bundesligaspielen 54-mal genetzt, mit ihnen Meisterschaft, Champions League und Weltpokal gewonnen hatte, wirkte im Gegensatz zum GAK-Match diesmal von Anfang an mit.

Dafür kam diesmal Christian Mayrleb später, der sorgte für das vierte Tor, das dritte scorte Ezequiel Alejo Carboni, Italiener aus Argentinien. "Wir haben 23 Mann im Kader", sagte Trainer Kurt Jara, "alle müssen beitragen, wenn wir weiterkommen wollen. Gerade Mayrlebs Tor zeigt, dass er nicht beleidigt ist, wenn er nicht in der Grundaufstellung ist." Naturgemäß meinte Jara noch, "dass wir noch lange nicht am Plafond sind." Ein Bild, welches Felix "der mit dem Flügel den Ärmelkanal querte" Baumgartner quasi verkehrt vorwegnahm, als er mit Fallschirm und Matchball den Mittelkreis knapp, aber doch verfehlte. (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 22. Juli 2005, Benno Zelsacher)

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