Delfine als Vorbild für Tsunami-Warnsystem

29. Juli 2005, 17:59
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Statt tausende Kilometer langer Kabel: Forscher setzten Ultraschall-Kommunikation in technische Systeme um

Berlin - Nach dem Vorbild von Delfinen haben Wissenschafter der TU Berlin eine drahtlose Übertragungstechnik für Tsunami-Warnsysteme entwickelt. Dem fünfköpfigen Forscherteam gelang es, die von den Meeressäugern genutzte Kommunikation im Ultraschallbereich in technische Systeme umzusetzen, wie die Technische Universität am Donnerstag mitteilte. Damit können auch große Datenmengen wie Videosequenzen kabellos aus der Tiefe übertragen werden. Das System könnte künftig den bisher aufwendigen und teuren Datentransport über tausende Kilometer Kabel ersetzen, der beispielsweise für ein Tsunami-Warnsystem im Indischen Ozean notwendig wäre.

Delfine können die untereinander abgegebenen Signale derart umwandeln, dass Störungen ausgeschaltet werden, erklärte Konstantin Kebkal, Leiter des Forscherteams. Die Tiere erkennen zum Beispiel, ob sie ein Signal direkt oder nur auf Umwegen erreicht, etwa durch Reflexion an Klippen oder dem Meeresgrund. Nach diesem Vorbild entwickelten die Wissenschafter ein Übertragungsmodem, mit dem sich elektronische Daten bis zu zwei Kilometer weit im Meer verbreiten lassen. Ein industriereifer Prototyp existiert bereits. Tests unter den akustischen Bedingungen der Ostseeküste und in der Nordsee hätten die Überlegenheit des neuen Ultraschallmodems gegenüber anderen technischen Systemen gezeigt.

Keine Kabelkilometer mehr

Die Forscher arbeiten derzeit an einem noch robusteren Gerät, das Distanzen zwischen sechs und acht Kilometern überbrücken soll. Damit wären laut Kebkal auch große Teile der Tiefseegräben direkt erreichbar, deren seismische und vulkanische Aktivität immer wieder die gefürchteten Tsunami auslöst. Im Dezember hatte in Südostasien ein Seebeben eine Tsunami-Flutwelle verursacht, die rings um den Indischen Ozean mehr als 270.000 Menschen tötete. "Will man in diesen instabilen Zonen ein effektives Frühwarnsystem installieren, ist es nicht damit getan, Messsonden in den Meeresboden zu versenken", erklärte Kebkal. Entscheidend sei, die Daten schnell und zuverlässig zu den Informationszentralen zu leiten.

Bisher müssen Tieftauchsysteme, Messfühler auf dem Meeresgrund oder Inspektionsgeräte für Pipelines verkabelt werden, da die Funkverbindungen im Meerwasser sehr störanfällig sind. Bei einem Warnsystem im Indischen Ozean wären unzählige Messfühler und tausende Kilometer teure Spezialkabel erforderlich. Das in Berlin entwickelte neue Unterwassersystem macht dies überflüssig.(APA)

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