Liechtenstein verbietet Hanf-Fütterung für Kühe

23. Juli 2005, 19:00
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Bauer enttäuscht: Immerhin sei das Vieh entspannt, ruhig und sorgenfrei - "Die Kühe sind relaxt, aber nicht bekifft"

Vaduz/London - Milchbauern in Liechtenstein sind über das offiziell verhängte Hanffütterungsverbot für ihre Kühe erstaunt. Denn das Vieh im Zwergstaat war, so berichtet BBC, entspannt, ruhig und sorgenfrei. Und das hat sich nach Ansicht der Bauern sehr positiv auf die Milchleistung ausgewirkt.

"Hanf ist gut für die Kühe, weil es wie ein Tranquilizer wirkt", erklärt der Hanfbauer Jean-Pierre Egger. Der Nutzhanf, der heute von Bauern angebaut wird, wurde speziell so zurückgezüchtet, dass er einen sehr geringen THC-Gehalt hat. "Viele Kühe stehen heute unter Stress und Hanf ist in der Lage die Tiere zu beruhigen. Eine stressfreie Milchkuh produziert eine bessere Milch. Das sind Fakten", erklärt Egger.

Kein THC für Kinder

Allerdings besteht auch in der benachbarten Schweiz ein Verbot des Verfütterns von Hanf, obwohl in der Eidgenossenschaft, ebenso wie in den meisten anderen europäischen Staaten der Hanfanbau gestattet ist. Die Behörden fürchten, dass der chemische Wirkstoff THC - nämlich jener, der Menschen auch 'high' macht - in die Milch gelangen könnte. Und dort hat er, so Lebensmittelchemiker, nichts verloren. So argumentiert auch Peter Malin vom liechtensteinischen Landwirtschaftsministerium: "THC kommt in der Milch normalerweise nicht vor. Wir wollen verhindern, dass Menschen, allen voran Kinder, es konsumieren".

Bauern halten den Behörden allerdings vor, dass der THC-Gehalt vom europäischen Hanf nicht mit dem der indischen Variante zu vergleichen sei. "Die Kühe sind relaxt, aber nicht bekifft", so Egger. "Das Einzige, was sich tatsächlich ändert, ist, dass die Kühe sich gut fühlen und dadurch bessere Milch geben". Eggers Argumente stoßen aber nicht bei allen Milchbauern auf Begeisterung. Manche bezeichnen dies als exotisch und "alternativ".

Das weltweit wachsende Engagement und der damit wachsende politische Druck führten dazu, dass man sich auf europäischer Ebene mit Hanfanbau beschäftigte. 1989 verfügte die EU-Kommission in einer Verordnung, dass der Anbau von Hanf von den Mitgliedstaaten legalisiert werden muss. Die in der Anlage der Verordnung genannten Sorten sind so genannter "Faserhanf" mit einem THC-Wirkstoffgehalt von unter 0,3 Prozent. Es gibt zudem vielfältige Möglichkeiten, Hanf als Biorohstoff - etwa zur Wärmedämmung - zu nutzen.(pte)

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