Kusej: "Nicht ganz billige Schlachtschiff-Produktion"

21. Juli 2005, 18:38
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"König Ottokars Glück und Ende": Grillparzer-Drama als antimonarchistischer Vergleich zweier Modelle der Macht

Salzburg - "Ich bekenne hiermit, ich bin Anti-Monarchist und natürlich habe ich Grillparzers Drama 'König Ottokars Glück und Ende' als Regietheater angelegt." Martin Kusej, Leiter des Schauspiels bei den Salzburger Festspielen, informierte gemeinsam mit Hauptdarsteller Tobias Moretti bei einer Pressekonferenz über diese von ihm selbst inszenierte und "nicht ganz billige Schlachtschiff-Produktion" des Theaterprogramms.

Am 8. August ist die Premiere auf der Halleiner Pernerinsel und die Karten für die elf Aufführungen sind alle verkauft. Moretti kündigte an, den Ottokar als rücksichtslosen Tatmenschen darstellen zu wollen: "Ich will die elektrische Spannung spürbar machen, die zwischen Ottokar und seinem Kontrahenten, Rudolf von Habsburg, dem diplomatisch-gewieften Machtmenschen, entsteht." Nach mehreren Wochen Probearbeit im Burgtheater soll laut Kusej unter den akustisch schwierigeren Bedingungen in der Saline an der "Balance der Sympathiewerte der Figuren" gearbeitet werden und zwar gleich nach der Jedermann-Premiere, in der Moretti ja den guten Gesellen und den Teufel spielt. Dazu Kusej: "Moretti ist mir für den Ottokar im Moment noch zu nett".

"Offizielle Lesart"

Kusej sagte, er werde die lange Jahre gültige, offizielle Lesart dieses Grillparzer-Dramas, derzufolge der Habsburger Rudolf das Heil über Europa bringt, ersetzen durch ein wertfreies Gegenüberstellen zweier Modelle der Macht: "Mich interessiert die Besserwisserei, die Gewaltbereitschaft, der Kolonialismus, die Blutrünstigkeit und die Barbarei in den Figuren - und zwar in beiden."

Die schwierige, schnörkelig und altmodisch anmutende Sprache "ist, wenn man sie besser kennt, offensiv wie ein Maschinengewehr, poetisch, radikal und direkt", sagte Moretti, der übrigens zum Teil eine konventionelle Krone tragen wird. Kusej räumte ein, trotz viel Übung auch Probleme mit dieser Sprache zu haben: "Aber man kann sie modern sprechen und mit den richtigen Betonungen und auch mit einzelnen Auslassungen den richtigen Sinn vermitteln."

Grundverschiedene Schauspielschulen

Auf der Bühne aufeinander treffen werden nicht nur zwei Typen von Machtmenschen, sondern, mit Moretti und dem Hamburger Michael Maertens, auch zwei grundverschiedene Schauspielschulen, wie Moretti erläuterte: "Es ist absurd und atemberaubend, da sind Welten dazwischen, obwohl wir uns gut kennen und mögen. Ich freue mich ungeheuer auf diese Produktion." Ergänzt wird das Ensemble durch Elisabeth Orth, Florentin Groll, Johannes Krisch, Nicholas Ofczarek, Sabine Haupt und Bibiana Beglau. (APA)

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    Schauspieler Tobias Moretti (li) und Schauspielchef Martin Kusej (re) bei einer Pressekonferenz in Salzburg über das Schauspielprogramm und die Neuproduktion von "König Ottokars Glück und Ende" bei den Salzburger Festspielen.

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