Österreichisches Bundesheer geht wieder nach Afghanistan

24. Juli 2005, 20:28
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Ab August mit 93 Mann - Auslands-Kommandant Höfler: Von Gefährdung höher einzuschätzen als Kosovo oder Bosnien

Wien - Das österreichische Bundesheer geht wieder nach Afghanistan. Elf Soldaten des Vorauskommandos sind diese Woche an ihrem Einsatzort in Kunduz, 350 Kilometer nördlich der Hauptstadt Kabul, eingetroffen. Der Großteil des 93 Mann starken Kontingents folgt in der ersten Augustwoche. Aufgabe der Österreicher ist die Unterstützung eines sogenannten Wiederaufbau-Teams während der für 18. September geplanten Parlamentswahl. Der Einsatz ist vorerst für drei Monate befristet.

Die Soldaten - mehr als die Hälfte von ihnen stammen aus Tirol - gehen in einen schwierigen Einsatz. "Von der Gefährdung her ist es höher einzuschätzen als die Einsätze im Kosovo oder in Bosnien", so Generalmajor Günter Höfler, Chef des Kommandos Internationale Einsätze, im Gespräch mit der APA. "Es ist ein völlig neuer Einsatz in einem neuen Raum mit einer sehr sensiblen Situation."

Wiederaufbauteam

Das österreichische Kontingent ist Teil eines "regionalen Wiederaufbauteams" unter deutscher Führung. Dieses Team besteht - ohne die Österreicher - aus rund 330 Personen. Die Wiederaufbauteams in mehreren afghanischen Regionen sind Teil der internationalen Friedenstruppe ISAF und haben keinen Kampfauftrag. Die Soldaten sollen vielmehr eine sichere Arbeitsumgebung für Hilfsorganisationen schaffen. Aktuell kommt dazu der Schutz der Wahl. Als konkrete Aufgaben des österreichischen Kontingents nannte Höfler etwa die Durchführung von Patrouillen.

Auswahl der Soldaten und Ausrüstung erfolgten gemäß der besonderen Situation. Der überwiegende Großteil des Kontingents besteht aus Angehörigen von Kaderpräsenz-Einheiten, also Berufs- bzw. Zeitsoldaten. Milizangehörige sind praktisch nicht vertreten.

Das Kontingent verfügt ausschließlich über "gehärtete" Fahrzeuge, die mehr Schutz versprechen. Erstmals eingesetzt werden sechs Stück der neuen Allschutzfahrzeuge "Dingo", dazu kommen elf Pandur-Radpanzer, Puch G-Geländewagen sowie geländegängige Lkw. Insgesamt werden von zwei in der Ukraine angemieteten Transportflugzeugen 200 Tonnen Gerät und Ausrüstung nach Afghanistan geflogen. Das Hauptkontingent wird von Linz-Hörsching aus mit US-Militärmaschinen fliegen.

Die Gesamtkosten für den Einsatz gibt Höfler mit 5 Millionen Euro an. Ende Oktober soll das Gros der Soldaten nach den aktuellen Planungen den Heimflug antreten, offizielles Ende laut Regierungs- und Parlamentsbeschluss ist am 31. Dezember. Außenministerin Ursula Plassnik (V) wollte im Hauptausschuss des Nationalrates am 10. Juni eine Verlängerung aber nicht ausschließen. Sie könne die weitere Entwicklung in Afghanistan nicht vorwegnehmen, so die Ministerin.

Das österreichische Bundesheer war bereits im Jahr 2002 mit einem größeren Kontingent in Afghanistan vertreten. Insgesamt waren in zwei Tranchen 170 Soldaten in Kabul stationiert. Im März 2005 hatte der deutsche Verteidigungsminister Peter Struck seinen österreichischen Amtskollegen Günther Platter (V) gebeten, ein neuerliches Engagement zu prüfen. (APA)

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