Die zweite Angriffswelle der Gelsen rollt an

25. Juli 2005, 12:59
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Ab dem Wochenende soll die nächste Generation der Hochwasser-Profiteure schlüpfen

Wien - Wie schon Anfang bis Mitte Juni droht durch heftige Regenfälle und Überschwemmungen in den vergangenen Wochen eine Invasion von Stechmücken in Österreich. Laut Gelsen-Experten Bernhard Seidel dürften die ersten Hochwasser-Profiteure bereits am kommenden Wochenende schlüpfen und ihr - aus menschlicher Sicht - summendes Unwesen beginnen.

Nach den mehrfachen, heftigen Regenperioden habe es heuer auch in Siedlungsgebieten Gelsen-Invasionen gegeben, die normalerweise verschont bleiben. Nach einer kurzen Atempause dürfte es nun wieder losgehen. In den klassischen Überschwemmungsgebieten entlang Salzach, Inn, Donau, Kamp und March befinden sich Myriaden von Gelsenlarven kurz vor der Verpuppung, berichtete Seidel von seinen Streifzügen. Dabei wurden teilweise auch Bereiche geflutet, in denen noch Gelseneier von der Hochwasserkatastrophe 2002 auf ihre Chance lauerten.

Vorsorgemaßnahmen empfohlen

Seidel empfiehlt oft betroffenen Gemeinden zu rechtzeitigen Maßnahmen. Solange die Larven im Wasser sind, lässt sich die Plage noch aufhalten. Der Forscher hat dazu entsprechende Bekämpfungs-Möglichkeiten ausgearbeitet. Etwa im Auftrag der Stadt Tulln (Niederösterreich) führt Seidel seit 2003 ein Monitoring durch.

Gelsen brauchen für die Aufzucht ihrer Brut kleine, am besten fischfreie Gewässer. Ein kleiner Au-Tümpel als Überrest einer vergangenen Überschwemmung reicht aus. Aus den Eiern, die möglicherweise seit Jahren in der Erde ruhen, schlüpfen rasch die Larven. Diese wachsen, verpuppen sich und schließlich schlüpft der summende Flieger. Bei sehr hohen Temperaturen reichen für die ganze Entwicklung vom Ei bis zum fertigen Insekt rund eine Woche bis zehn Tage.

Hausgelsen

Aber auch die Entwicklung der so genannten Hausgelsen wird durch die Witterung gefördert. Sie halten sich bevorzugt auch in Siedlungsgebieten auf, eine Regentonne oder eine achtlos stehen gelassene, mit Wasser gefüllte Gießkanne werden als Kinderstube für den Nachwuchs genutzt. Wer wenigstens diese hausgemachte Plage vermeiden möchte, sollte seinen Garten penibel nach kleinsten Wasseransammlungen - bis hin zur Vogeltränke - absuchen und diese trocken legen.

Ist das Malheur einmal passiert und sind die lästigen Summer unterwegs, bieten sich immer noch zahlreiche Möglichkeiten der Abwehr an. Beliebt sind so genannte Repellents, die, auf die Haut geschmiert, den Blutsaugern den Appetit verleiden sollen. Weniger wirksam als die käuflichen Produkte sind laut Vergleichsstudien diverse Hausmittel wie Knoblauch oder ätherische Öle. Auch akustischen Geräten, welche die Gelsen mittels hochfrequenten Tönen vertreiben sollen, stellen Experten kein gutes Zeugnis aus. Wer auf Chemie verzichten möchte, versteckt sich am besten immer noch hinter Fliegengittern. (APA)

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