Infineon-Affäre - Aufsichtsratschef sorgt für neuen Wirbel

29. Juli 2005, 10:48
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Kley suchte schon ein Jahr vor Rücktritt Schuhmachers nach einem Nachfolger für Vorstandsvorsitz

Der deutsche Chiphersteller Infineon kommt nach der Schmiergeldaffäre um seinen zurückgetretenen Vorstand Andreas von Zitzewitz nicht zur Ruhe. Der wegen seiner Rolle bei der Aufklärung der Affäre selbst unter Beschuss geratene Infineon-Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley hat in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" deutliche Kritik an dem 2004 zurückgetretenen Vorstandschef Ulrich Schuhmacher geübt.

"Ich hatte bereits im Februar 2003 einen Headhunter für die Suche nach einem möglichen Nachfolger von Herrn Schuhmacher eingeschaltet."

So erklärte der Aufsichtsratschef, dass er bereits ein Jahr vor Schumachers Rücktritt die Suche nach einem Nachfolger begonnen habe, weil er Zweifel an der Eignung des damaligen Firmenchefs gehabt habe. "Ich hatte bereits im Februar 2003 einen Headhunter für die Suche nach einem möglichen Nachfolger von Herrn Schuhmacher eingeschaltet." Kley ließ dabei nach eigenen Angaben Schumacher die Nachfolgekandidaten begutachten. Schumacher habe den Vorstand verstärken wollen, während er, Kley, einen Stellverteter gesucht habe, der später den Vorstandsvorsitz hätte übernehmen können.

Ihm seien schon einige Monate nach seinem Amtsantritt als Aufsichtsratschef im Sommer 2002 "Zweifel gekommen, ob es mit Herrn Schuhmacher an der Spitze des Vorstands auf Dauer gut gehen würde", sagte Kley. "Damals schon klagte er auch über Schlafstörungen und erklärte, dass er nur drei bis vier Stunden täglich schlafe." Darüber habe er sich angesichts der hohen Arbeitsbelastung eines Vorstandschefs "natürlich Sorgen" gemacht, fügte Kley hinzu. Zur Begründung, warum er erst jetzt darüber spreche, sagte Kley: "Ich wollte Herrn Schumacher die Chance geben, sich neu zu positionieren."

"Er hat die Behauptungen bestritten und unmittelbar schriftlich erklärt, die Vorwürfe von Zahlungen seien unwahr"

Zugleich bestätigte Kley erneut, dass er bereits seit März 2004 über die Vorwürfe gegen Zitzewitz informiert gewesen sei. Einen Rücktritt als Aufsichtsratschef lehnte er jedoch ab: "Dafür gibt es überhaupt keinen Grund", sagte Kley. Er habe Zitzewitz damals sofort zur Stellungnahme aufgefordert: "Er hat die Behauptungen bestritten und unmittelbar schriftlich erklärt, die Vorwürfe von Zahlungen seien unwahr", betonte Kley. Er habe zudem interne und externe Nachforschungen eingeleitet, die aber ergebnislos geblieben seien. Dass Zitzewitz ihn offenbar belogen habe, "das ist für mich eine absolut neue und tief enttäuschende Erfahrung", sagte Kley.

Der Aufsichtsrat wiederholte zugleich, dass Schumacher mit einer Unterbrechung für den Bereich Sponsoring verantwortlicher Vorstand gewesen sei. Schumachers enge Beziehung mit dem von der Staatsanwaltschaft beschuldigten Schweizer Sportunternehmer Udo Schneider sei öffentlich bekannt gewesen, sagte Kley weiter. Schumacher hatte Kley erst am Vortag über seine Anwälte mit juristischen Schritten gedroht, falls er diese - seiner Ansicht nach - falschen Behauptungen wiederhole.

Schumacher war im März 2004 als Infineon-Chef zurückgetreten, nachdem ihm zuvor Zitzewitz und zwei weitere Infineon-Vorstände das Vertrauen aufgekündigt hatten. Zitzewitz soll von dem Schweizer Sportunternehmer 259.000 Euro Schmiergeld für einen Motorsport-Sponsorenvertrag mit Infineon kassiert haben.(APA)

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