Widersprüche bei London-Drahtzieher

22. Juli 2005, 12:51
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Die Pakistan-Connection: London und Islamabad dementieren Festnahme

Bei der Suche nach den Hintermännern der Londoner Anschläge vom 7. Juli sollen die Ermittler laut einem britischen Pressebericht auf den angeblichen Drahtzieher gestoßen sein. Die Londoner Times berichtete am Donnerstag, das britische Al-Kaida-Mitglied Harun Rashid Aswat sei von den pakistanischen Behörden festgenommen worden. Der 30-Jährige habe bis kurz vor den Anschlägen mehrfach mit zweien der mutmaßlichen Attentäter telefoniert und Großbritannien kurz vor den Anschlägen verlassen. Die pakistanischen Behörden und die britische Botschaft in Islamabad bestritten diese Angaben jedoch entschieden.

Aswat stamme aus Dewsbury, aus demselben nordenglischen Ort wie einer der Attentäter, und sei bei einer Razzia in einer Koranschule im pakistanischen Sargodha, 150 Kilometer westlich von Lahore, festgenommen worden, berichtete die Times unter Berufung auf pakistanische und westliche Sicherheitsdienste. "Wir glauben, dass dieser Mann eine entscheidende Rolle" bei den Anschlägen von London gespielt habe, zitierte die Zeitung einen pakistanischen Ermittler.

Rund 200 Terrorverdächtige waren in Pakistan in den vergangenen zwei Tagen landesweit verhaftet worden, nachdem der britische Premier Tony Blair in einem Gespräch mit Pakistans Staatschef Pervez Musharraf neue Anstrengungen verlangt hatte. "Es hat in Pakistan keine Festnahmen im Zusammenhang mit den Londoner Anschlägen gegeben", betonte hingegen der britische Botschafter in Islamabad, Mark Lyall-Grant, vor Journalisten.

Scotland Yard war bereits hinter Aswat her, nachdem sich herausgestellt habe, dass er nur Stunden vor den Anschlägen am 7. Juli Großbritannien mit einem Flugzeug verlassen habe, berichtete Times. Aswat sei etwa zwei Wochen vor den Anschlägen ins Land eingereist, vermutlich, um das Endstadium der Planungen für die Anschlagserie zu leiten. Drei der Bomber von London waren 2004 in Pakistan.

Ein Bewegungsbild habe ergeben, dass Aswat alle Heimatorte der vier mutmaßlichen Attentäter in Großbritannien besucht sowie die Ziele in London ausgesucht habe. Britische Medien meldeten bereits am Mittwoch, dass Aswat bei seiner Festnahme mehrere Handfeuerwaffen, einen Sprengstoffgürtel sowie rund 17.000 britische Pfund in bar und einen britischen Pass bei sich gehabt habe. Laut Times ist Aswat den westlichen Nachrichtendiensten seit rund drei Jahren ein Begriff. (AFP, red/DER STANDARD, Printausgabe, 22.7.2005)

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    Pakistanische Sicherheitskräfte haben am Mittwoch über 200 mutmaßliche Extremisten verhaftet.

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