Den Haag: Anklage will vor UNO-Tribunal neues Material einreichen

22. Juli 2005, 14:19
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Srebrenica-Video soll als Beweis gegen Milosevic verwendet werden

Den Haag - Im Prozess gegen den früheren jugoslawischen Staatschef Slobodan Milosevic vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal (ICTY) hat die Anklage beantragt, weitere Beweise zu den Massakern in Srebrenica und Racak vorlegen zu dürfen. Wie aus am Mittwoch in Den Haag bekannt gewordenen Gerichtsdokumenten hervorgeht, will die Anklage vor allem ein Video in ihre Beweisführung aufnehmen, auf dem die grausame Erschießung mehrerer gefesselter Knaben und Männer durch Einheiten der paramilitärischen serbischen Gruppe "Skorpione" zu sehen ist.

Beweisstück

Das Video war im Rahmen des Milosevic-Prozesses bereits einmal vor Gericht gezeigt worden, es wurde bisher jedoch nicht als offizielles Beweisstück aufgenommen. Das Video sei ein "wesentlicher Beweis für die Verwicklung der serbischen Regierung und der Republik Jugoslawien in das Massaker von Srebrenica", begründete Chefanklägerin Carla del Ponte den Gerichtsdokumenten zufolge ihren Antrag auf Wiedereröffnung der Beweisaufnahme.

Nach Ansicht der Anklage handelt es sich bei den Männern, deren Erschießung auf dem Video zu sehen ist, um moslemische Zivilisten aus dem ostbosnischen Srebrenica. Zahlreiche Beweise zur Untermauerung der Schuld Milosevics seien der Anklage erst nach Abschluss ihrer Beweispräsentation vor dem Tribunal im Februar 2004 zugegangen, argumentiert Del Ponte. Sollten diese bei einer Urteilsfindung nicht berücksichtigt werden, sei ein "Justizirrtum" zu befürchten.

Massaker

Die Anklage will den Angaben zufolge zum Massaker von Srebrenica fünf weitere Zeugen vernehmen und 49 zusätzliche Dokumente als Beweise aufnehmen lassen. Dabei wurden im Juli 1995 rund 8.000 Bosniaken getötet. Ein weiterer Zeuge soll zu dem Massaker im kosovarischen Racak aussagen, bei dem Anfang 1999 45 Albaner starben.

In dem Prozess trägt derzeit die Verteidigung ihre Argumente vor. Milosevic muss sich in Den Haag in 60 Punkten wegen Kriegsverbrechen, Völkermords und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Zuge der Balkan-Kriege der 90er Jahre beim Zerfall Jugoslawiens verantworten. (APA/AFP)

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