Israel: Polizei nimmt 250 Gaza-Protestierer fest

24. Juli 2005, 20:44
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Protestmarsch gegen Gaza-Abzug beendet: Tausende israelische Siedler und ihre Unterstützer reisten ab - Siedlerrat: "Werden in kleinen Gruppen in Gush Katif eindringen"

Jerusalem - Am dritten Tag haben die Organisatoren des Marsches gegen den israelischen Abzug aus dem Gaza-Streifen ihren Protest weitgehend abgebrochen. "Wir haben das Gefühl, dass es dieses Mal nicht klug wäre, sich der Polizei und der Armee zu widersetzen", sagte der Vorsitzende des Siedlerrats Yesha, Benzi Lieberman.

Tausende Siedler und ihre Unterstützer hatten am Mittwochabend Kfar Maimon verlassen, berichtete der israelische Rundfunk unter Berufung auf Polizeiangaben. Nur wenige hundert Demonstranten seien in der Ortschaft in der Negev-Wüste geblieben. Kfar Maimon liegt etwa 15 Kilometer vom Gaza-Streifen entfernt. Seit Dienstag wurden tausende Demonstranten von israelischen Sicherheitskräften in Kfar Maimon daran gehindert, weiter in Richtung des jüdischen Siedlungsblocks Gush Katif zu ziehen.

"Werden in kleinen Gruppen in Gush Katif eindringen"

"Wir werden in kleinen Gruppen in Gush Katif eindringen und in zwei Wochen werden wir dort 10.000 sein", sagte Lieberman. Dennoch sollten einige Demonstranten in Kfar Maimon bleiben, damit der Ort als Basis für künftige Protestaktionen dienen könne. "Ich fordere jeden auf, hier zu bleiben oder zurückzukommen", fügte Lieberman hinzu. "Wir müssen unseren Kampf fortsetzen."

Die israelische Polizei stoppte außerdem etwa hundert Autos von Siedlern, die nach Gush Katif fahren wollten, wie der staatliche Rundfunk berichtete. 15.000 bis 20.000 Polizisten waren in Kfar Maimom und Umgebung postiert, um die Demonstranten vom Grenzübergang Kissufim fern zu halten, der zwischen israelischem Territorium und Gush Katif liegt.

Am Mittwoch hatte sich der israelische Ministerpräsident Ariel Sharon im Parlament mit seinem Abzugsplan aus dem Gaza-Streifen gegen den Widerstand der Demonstranten behauptet. Eine deutliche Mehrheit von 69 der 120 Abgeordneten stimmte gegen einen Aufschub des Abzugs, der am 17. August beginnen soll. Nur 41 votierten für eine Verschiebung, der Rest enthielt sich oder war abwesend.

Damit hat Sharon die letzte Hürde in der parlamentarischen Auseinandersetzung um seinen Plan zur Räumung von insgesamt 25 jüdischen Siedlungen im Gaza-Streifen und nördlichen Westjordanland genommen. Sharon begrüßte die Entscheidung der Knesset. "Dies ist ein Beweis, dass die Regierung, das Parlament und die Öffentlichkeit den Abzug unterstützen."

Polizei nimmt 250 Gaza-Protestierer fest

Die israelische Polizei hat in der Nacht auf Donnerstag 250 protestierende Gegner eines Abzugs aus dem Gazastreifen festgenommen. Die Demonstranten hätten versucht, vom Übergang Kissufim aus in den jüdischen Siedlungsblock Gush Katif zu gelangen, sagte ein Polizeisprecher. Einige Protestierer hätten begonnen, einen Sperrzaun zu durchtrennen. Die Demonstranten waren Teilnehmer eines Protestmarsches, den die Polizei in der Ortschaft Kfar Maimon gestoppt hatte. Es war ihnen trotzdem gelungen, bis nach Kissufim zu gelangen. Am Donnerstag war dort die große Mehrheit der insgesamt etwa 20.000 Demonstranten abgereist. Die Polizei hatte den Marsch untersagt, weil die Einreise von Israelis in den Gazastreifen einen Monat vor dem Abzug bereits verboten ist.(APA/AP/Reuters/dpa)

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