Als der sonnige Süden in Kärnten begann

28. Juli 2005, 21:14
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Seine Arbeiten stehen synonym für expressive Malerei in Österreich: Wilhelm Kaufmann widmet die Galerie Martin Suppan noch bis Ende Juli ihre Sommerausstellung

Der Maler stand nicht nur im Banne Kokoschkas, sondern wurde zum Chronisten eines Lebensgefühls.

Wien – Ihr bestes Jahr hatte die Kunst Wilhelm Kaufmanns laut der US-Kunstpreisdatenbank Artprice 1998, als die von Käufern in Auktionssälen bewilligten Preise für eine Steigerung um 126 Prozent sorgten. Den meisten Umsatz verbuchte der Markt 1999 mit knapp 50.000 Euro für 24 Werke. 2004 lief es – im Vergleich zu 2003 – auch ganz gut: 14 Kaufmann-Arbeiten brachten rund 20.000 Euro, 96 Prozent des Angebotes wechselten in Österreich den Besitzer, darunter zu 84 Prozent Gemälde.

Im Gegensatz zu zeitgenössischen Kollegen hat der 1895 geborene Kaufmann deutlich weniger Auktionsergebnisse vorzuweisen – von Oskar Kokoschka listet Artprice etwa 1630 Zuschläge, von Kaufmann exakt ein Zehntel. Diese statistische Gegenüberstellung hat auch kunsthistorische Anhaltspunkte, denn Kokoschkas in den 20er-/30er-Jahren vielfältig lancierte Maltechnik wurde zum Vorbild von Kaufmanns Malkultur.

Wilhelm wurde 1895 als achter Sohn eines Wiener Straßenbahners geborenen und trat 1911 16-jährig in die Klasse Rudolf Bachers an der Akademie der bildenden Künste ein. Erste Beachtung fanden seine Arbeiten in der Zeit zwischen den Weltkriegen: In der Ausstellungsbiografie finden sich Präsentationen im Rahmen der Künstlervereinigungen der Wiener Secession und des Hagenbundes wie auch solche im Künstlerhaus. 1938 wurde er von den Nationalsozialisten mit Berufsverbot belegt und arbeitete unter verschiedenen Pseudonymen (u. a. "Lang").

Nach Kriegsende bestimmen die Ruinen Wiens und der Wiederaufbau seine Motivwahl und ab 1948, anlässlich der Olympischen Spiele, setzt die Reihe der Sportbilder ein. 1947 wurde Kaufmann der Staatspreis verliehen, der ihm einen Staatsauftrag bescherte: das Porträt des ersten Bundespräsidenten der Zweiten Republik.

Südliches Flair

Es folgte die Zeit des Wirtschaftswunders: Der Künstler beginnt sich als Chronist der Reisefreudigkeit zu betätigen. Südliches Flair und die lichterfüllte Atmosphäre der mediterranen Motivwelt bestimmen jene sommerlichen Landschaftsbilder, die die Galerie Martin Suppan in den Mittelpunkt ihrer Präsentation stellt: mehr als 40 Ölbilder in einer Preisklasse von 6000 bis 16.000 Euro sowie vier Arbeiten auf Papier (ab 1500 Euro) aus den Jahren 1937 bis 1960, die in den traditionellen Urlaubsregionen entstanden.

In den 50er- und 60er-Jahren konnten sich viele erstmals Traumreisen in den Süden leisten – etwa an die Strände der Mittelmeerküsten Italiens und Griechenlands, nach Istrien oder sogar in die Provence – und für so manchen begann der sonnige Süden schon in der Wachau oder an den Kärntner Seen.

Kaufmann vermittelte in seinen kraftvollen Bildern das neue Lebensgefühl: mit Blick auf das Landesinnere bei Rovinj, auf eine Hafenszene in Caorle (9500 Euro) und auf eine ähnliche in Piräus, wie im 1955 gemalten "Sommer in Velden" (16.000 Euro).

Von Olga Kronsteiner
  • Einen idyllischem Sommertag in Velden, an der Westbucht des Wörthersees hielt Wilhelm Kauffmann hier fest. Für 16.000 Euro bei der Galerie Martin Suppan.
    foto: suppan

    Einen idyllischem Sommertag in Velden, an der Westbucht des Wörthersees hielt Wilhelm Kauffmann hier fest. Für 16.000 Euro bei der Galerie Martin Suppan.

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