Einmal Waschbrett-Bauch bitte!

27. März 2006, 16:00
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Das starke Geschlecht will schöner werden - Immer mehr Männer legen sich deswegen unters Skalpell

Die Zeiten, da nur Frauen den Gang zum Schönheitschirurgen wagten, sind vorbei. Immer mehr Männer lassen sich verschönern. Bei den plastischen Chirurgen ist bereits jeder fünfte Patient ein Mann. Früher war männliche Schönheit ein unnötiger Luxus - heute wollen die Kens ebenso wie ihre Barbies möglichst lang jung aussehen, eine perfekt geformte Nase oder einen flachen Bauch haben. Bereits 73 Prozent der österreichischen Männer verwenden regelmäßig ein Gesichtspflegeprodukt, 17 Prozent Anti-Aging-Cremes. Über den Begriff "metrosexuell" lacht schon seit Langem keiner mehr. Doch wer sind die Männer, die den Schritt zum Chirurgen wagen? Obwohl die Operationen teuer sind und in der Regel von den Krankenkassen nicht bezahlt werden, kommen die Patienten aus allen Schichten. "Im Schnitt sind Männer beim ersten Eingriff älter als Frauen. Männer bis dreißig lassen sich Ohren anlegen, im Alter von 30 bis 35 Fett absaugen oder eine Nasenkorrektur durchführen", sagt Edvin Turkof, Facharzt für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie in Wien. In den etwas fortgeschrittenen Jahren wird immer öfter der Wunsch nach einer Lidkorrektur geäußert.

"Gottes Gabe" wollen viele Männer nicht mehr länger hinnehmen

Ihren Fantasien sind dabei keine Grenzen gesetzt - solange sie die Grenzen der ästhetischen Chirurgie nicht überschreiten. Für den Schönheitschirurgen Carlo Hasenöhrl, der Praxen in Wien und Innsbruck betreibt, enden die Möglichkeiten da, "wo der Typ vollkommen verändert wird: Jedes Gesicht und jeder Körper sind einzigartig und lassen sich nicht nach bestimmten Regeln standardisieren." Als Künstler fühlt sich Hasenöhrl nicht: "Ich bin Handwerker. Ich habe den Wunsch meines Patienten im Kopf und all das, was wir vorher besprochen haben." Einer, der den Weg zum Schönheitschirurgen bereits hinter sich hat, ist Martin Haschka. Der 41-jährige Tiroler ließ sich von Hasenöhrl seinen Spitzbauch entfernen, sprich: Er ließ sich unter Vollnarkose am Bauch Fett absaugen. Mit dem Ergebnis ist Haschka zufrieden: "Ich fühle mich wohler. Der Eingriff hat mein Leben positiv verändert. Ich rate jedem, der dasselbe Problem hat, eine solche Operation durchführen zu lassen." Fett absaugen ist einer der am häufigsten durchgeführten chirurgischen Eingriffe. Kein Problem sind auch Brustimplantate für Männer oder solche, die aus "Zahnstocherfüßen" stramme Fußballerwadeln machen. Wenn sich der gegenwärtige Trend fortsetze, so Sander L. Gilman in seinem Beitrag für den gerade erschienenen Band "Schönheitschirurgie", dann werde in etwa einem Jahrzehnt ein Gleichgewicht der plastischen Operationen bei den Geschlechtern erreicht sein: "Irgendwann werden diejenigen in der Minderheit sein, die sich keinem schönheitschirurgischen Eingriff unterzogen haben."

Wobei das mit dem Gleichgewicht der Geschlechter so eine Sache ist:

Die ersten Patienten waren - von wenigen Ausnahmen abgesehen - Männer. Ein Ritter des Deutschordens, Heinrich von Pfalzpaint, beschrieb etwa bereits im Jahr 1460, wie vom Arm eines Patienten ein Hautlappen entnommen wurde, um eine Nase wiederherzustellen. In ihrer modernen Form entwickelte sich die ästhetische Chirurgie allerdings erst zwischen 1840 und 1900. In dieser Zeit wurde es mit der Einführung der Anästhesie (1846) und der Antisepsis (1867) möglich, der Schönheit durchs Skalpell auf eine schmerzfreiere Art und Weise nachzuhelfen. Operationsverfahren wie die Bauchstraffung gibt es seit dem Jahre 1899, die Gesichtsstraffung seit 1901. Eine wirkliche Konjunktur erlebten die chirurgischen Veränderung des eigenen Körpers aber erst im ausgehenden 20. Jahrhundert, vor allem mit der Erfindung der Silikonimplatate in den frühen 50ern und der Praxis der Fettabsaugung ab den 70ern.

Auch Peter S. hat sich bereits für eine Schönheitsoperation entschieden

Seine beiden Wangen waren durch starke Gewichtsabnahme, ausgelöst durch psychische Probleme, stark eingefallen. Zusätzlich erhielt er die Diagnose Gewebeverschmelzung. "Es gibt kein Mittel dagegen, auch keine Ernährungsumstellung oder teure Cremes aus den Apotheken. Operation war die letzte Rettung." Der Retter in Not war in diesem Fall Gerhard Kögler, der Schönheitspraxen in Wien und Rosenburg leitet. Allgemein ist die Akzeptanz, was Schönheitsoperationen bei Männern anbelangt, in den vergangenen Jahren massiv gestiegen. Auch der zum Fetisch gewordene Waschbrettbauch ist durch Fett-Modellation herstellbar. Mit einem dünnen Wasserstrahl wird das Fettgewebe schonend herausgelöst und gleichzeitig abgesaugt. Es ist dies eine neue, schmerzfreiere Methode, die auch funktioniert, wenn sich eine dicke Fettschicht über die Bauchmuskeln gelegt hat. Letzte Chance also für alle Kens, die sich an ihr Erscheinungsbild nicht gewöhnen können. Oder Mann probiert es doch mit ein bisschen Sport. (Karina Arth/Der Standard/rondo/22/07/2005)

Über den Boom der Schönheit vom Designerdoktor
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    epa/lorenvu
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