Gerüchte zu Danone reißen Pariser Politik aus der Sommerpause

31. Juli 2005, 18:38
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Kaufgelüste des US-Getränkekonzerns Pepsi werden zur Staatsaffäre - Regierung will "alles tun", um Übernahme zu verhindern

Paris - Wenn es um nationale Symbole geht, ist in Frankreich nicht einmal die Sommerpause heilig. Seit drei Tagen ist die Politik des Landes in Aufruhr: Das milliardenschwere Joghurt-, Keks- und Mineralwasserimperium Danone ist in Gefahr.

Angeblich bereitet der US-Getränkekonzern PepsiCo eine feindliche Übernahme für die Gruppe vor, zu der Marken wie Evian, Actimel, Fruchtzwerge, Prinzenrolle oder TUC gehören. Die Zeitung "Le Monde" spricht bereits von einer "Staatsaffäre".

Zentrale Bedeutung für die Landwirtschaft

Die bürgerliche Regierung in Paris werde "alles tun", um eine feindliche Übernahme zu verhindern, versicherte Arbeitsminister Jean-Louis Borloo am Mittwoch. Danone sei schließlich als Abnehmer von zentraler Bedeutung für das Funktionieren der französischen Landwirtschaft mit ihren 1,3 Millionen Bauern.

Damit hat die Regierung, die im Juni durch ihren hartnäckigen Widerstand gegen den Abbau der Agrarsubventionen die Reform der EU-Finanzierung mit scheitern ließ, klar gemacht: Ein Angriff auf Danone ist ein Angriff auf Frankreich.

In solchen Fällen arbeitet die französische Politik Hand in Hand. Schon am Dienstag warnte der ehemalige sozialistische Wirtschaftsminister Dominique Strauss-Kahn: Wenn PepsiCo die Danone-Übernahme fortsetze, würde dies "stärkste Reaktionen" hervorrufen.

Gewerkschaften auf den Barrikaden

Wegen befürchteter Arbeitsplatzverluste sind die Gewerkschaften schon längst auf den Barrikaden. Viel Wind für eine Affäre, die eigentlich nur ein Gerücht ist: PepsiCo selbst will die Berichte nicht kommentieren und streitet ab, sich schon drei Prozent am Danone-Kapital gesichert zu haben.

"Es gibt Werte in Frankreich, die man auf keinen Fall antasten darf, nicht nur moralische Werte, sondern auch Börsenwerte", stellt Francois-Xavier Pietri von der Pariser Wirtschaftszeitung "La Tribune" fest.

Das zeigte sich auch im vergangenen Jahr im Falle Deutschlands: Als der Siemens-Konzern Teile der angeschlagenen Alstom übernehmen wollte, schob der damalige Wirtschaftsminister Nicolas Sarkozy dem einen Riegel vor und boxte in Brüssel eine Rettung mit großzügigen Staatshilfen durch.

Auch bei der zunächst abgelehnten Übernahme der deutsch-französischen Aventis durch den Pariser Pharmakonzern Sanofi-Synthelabo setzte die französische Politik ihr ganzes Gewicht ein, um das Projekt zum Erfolg zu führen. Dass den Franzosen von deutscher Seite daraufhin Nationalismus vorgeworfen wurde, musste jenseits des Rheins nicht unbedingt als Kritik verstanden werden.

Kleinteilige Aktionärsstruktur

Im Fall Danone könnte die Regierung aber schnell in die Defensive geraten. Danone gilt wegen seiner kleinteiligen Aktionärsstruktur als gefährdet. Größter Anteilseigner ist der französische Investmentfonds Eurazeo, der 3,16 Prozent hält.

Damit würde es für Danone - und auch für die Politik - schwierig, die Aktionäre auf Linie gegen einen möglichen Angreifer zu bringen. Und Analysten gehen davon aus, dass längst auch andere Branchenriesen wie Nestle, Kraft, Coca-Cola oder Unilever einen begehrlichen Blick in Richtung Frankreich geworfen haben.

Für PepsiCo wäre Danone vor allem wegen seiner Mineralwassersparte und wegen seiner Weltmarktführerschaft bei Milchprodukten interessant, meint Mark Swartzberg, Analyst beim Finanzhaus Legg Mason.

Pepsi wolle sich erklärtermaßen wegen des gesättigten Geschäfts mit Brausen und Snacks in den USA breiter und internationaler aufstellen. Laut "Financial Times" müssten die Amerikaner für Danone dann rund 23 Milliarden Euro hinblättern.

Hilferufe

Danone sei wie die weltberühmte gotische Kathedrale im französischen Chartres, "und die Katedrale von Chartres kauft man nicht", hatte der 2002 verstorbene Danone-Gründer Antoine Riboud gesagt. Seit 1996 führt sein Sohn Frank die Geschicke des Unternehmens.

Er soll laut "Le Monde" nun "an der höchsten Staatsspitze" um Hilfe gebeten haben. Dabei hat der 49-Jährige schon früh klar gemacht, dass er Danone längst nicht mehr als rein französischen Konzern begreift: "Die Nationalität von Danone ist Danone", sagte er einmal. Eine Übernahme aus dem Ausland schließt das nicht unbedingt aus. (APA)

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