Festspiel-"Gegenredner" Robert Menasse

26. Juli 2005, 16:46
7 Postings

Autor vom Museum der Moderne als Redner gewonnen - Spricht über "Spektakelkultur, politische Verdummung und intellektuelle Abstinenz"

Salzburg - Der Schriftsteller Robert Menasse wird auf Einladung des Museums der Moderne eine Art Gegenrede zur Eröffnung der Salzburger Festspiele halten, erklärte das Museum in einer Aussendung. Museums-Chefin Agnes Husslein erklärte, dass der Autor am Montag, dem 25. Juli, um 18.00 Uhr eine Rede zum Thema Spektakelkultur, politische Verdummung und intellektuelle Abstinenz im Museum der Moderne auf dem Mönchsberg halten wird.

Rede passe hervorragend zum Thema der Ausstellung

Husslein betonte gegenüber der APA, es sei ihr nicht um eine Gegenaktion zu den Festspielen gegangen, sondern lediglich um einen intellektuell wertvollen Beitrag zum aktuellen kulturellen und gesellschaftlichen Geschehen. "Außerdem passt Menasses Rede hervorragend zu Thema der Ausstellung 'Le grande spectacle', die zur Zeit ja im Museum am Mönchsberg läuft", so die scheidende Museumschefin.

Menasse: Von Burgstaller "genug Blödheiten über die Notwendigkeit und Überflüssigkeit von Festspielreden" gehört

Menasse kündigt gegenüber der Informations-Illustrieren "News" an, das Streichen der Festspielrede durch Landeshauptfrau Gabi Burgstaller thematisieren zu wollen: "Bisher waren wir aus der politischen Geschichte gewohnt, dass Menschen, die zu lange regieren, weltfremd werden und verdummen. Dass es bei Frau Burgstaller so schnell geht, ist ein Wunder. Ich habe von ihr noch kein Wort zur Zwangsernährung gehört, aber genug Blödheiten über die Notwendigkeit und Überflüssigkeit von Festspielreden. Jetzt verordnet sie intellektuelle Abstinenz beim bedeutendsten kulturellen Ereignis in ihrem Bundesland. Das lässt Schlimmes für die Zukunft der österreichischen Sozialdemokratie befürchten, als deren Zukunftshoffnung Frau Burgstaller gilt."

Menasse: "Ich weiß, dass ich damit eine Menge dummer Reaktionen auslösen werde"

Zur APA sagte der Autor, es sei eine Frage der Einladungspolitik, ob Festspielredner langweilig seien oder nicht. "Ich will klarstellen, worüber wir reden, wenn es um die Festspiele und um Salzburg geht. Um Geld, um Fremdenverkehr, um Spiritualität, um Kunst oder um ein gesellschaftliches Seitenblicke-Adabei-Spektakel? Aber das selbstverliebte Bürgertum und seine Smoking-Pinguine samt aufgetakelter Gattinnen will ja gar nichts darüber hören. Ich weiß, dass ich mit dieser Rede eine Menge dummer Reaktionen auslösen werde", so Menasse.

Vorgeschichte

Im Mai hatte das Büro von Landeshauptfrau Gabi Burgstaller erklärt, man werde dieses Jahr zugunsten der Kunst die Eröffnungszeremonie straffen und auf die traditionelle Eröffnungsrede einer Persönlichkeit aus Kunst, Wissenschaft oder Politik verzichten. Gleichzeitig erklärte man, dass das Streichen des Festspielredners nicht für immer und ewig gelten müsse. (red/APA)

  • Artikelbild
    foto: standard/christian fischer
Share if you care.