Durststrecke im Handel hält an

20. Juli 2005, 20:01
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Bis Juni mussten die österreichischen Einzelhändler ein leichtes Umsatzminus hinnehmen - Vor allem die sinkende Kundenfrequenz bereitet weiter Sorgen

Wien - Österreichs Einzelhandel macht nach wie vor eine Durststrecke durch, wenngleich die Handelskonjunktur wieder leicht an Tempo gewinnt.

Nominell konnten die heimischen Einzelhändler im ersten Halbjahr 2005 nach jüngsten Zahlen der KMU Forschung Austria, die am Mittwoch präsentiert wurden, ein leichtes Umsatzplus von 0,4 Prozent erzielen, real gingen die Handelsumsätze aber um 0,3 Prozent zurück. In absoluten Zahlen betrug der Einzelhandelsumsatz bis Juni d.J. 19,9 Mrd. Euro.

Fehlende Dynamik

"Die Richtung stimmt, die Dynamik aber nicht", kommentierte Erich Lemler, wieder gewählter Obmann der Bundessparte Handel der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), die Entwicklung im heimischen Einzelhandel in der ersten Hälfte 2005.

Stabil gehalten hat sich die Preisentwicklung im Handel: Mit 0,7 Prozent lag die durchschnittliche Preissteigerung im Einzelhandel gegenüber dem ersten Halbjahr 2004 deutlich unter der für das Gesamtjahr 2005 vom Wifo prognostizierten Inflationsrate von 2,5 Prozent.

Sinkende Kundenfrequenz

Nach wie vor "Sorgenkind" ist die weiter sinkende Kundenfrequenz (minus 1,6 Prozent im gesamten Halbjahr), der Durchschnittseinkauf ist aber weiter gestiegen. Die Steigerung der Kundenfrequenz sei aber das primäre Ziel für die Einzelhändler, zumal nur damit eine nachhaltig positive Umsatzentwicklung erreicht werden könne, so Lemler. Voraussetzung dafür sei jedoch eine Verbesserung der allgemeinen Stimmungslage sowie eine Steigerung der Kauflust.

Österreichs Handelsunternehmen müssten sich jedenfalls auf die derzeit "schwierige Übergangszeit" mit Bedacht auf Warenlager und Kostenstruktur einstellen. Ein breites Angebot sei nicht mehr so gefragt, die Händler sollten sich spezialisieren und Nischen ausnutzen, rät Lemler.

Einigen Unternehmen gelinge es immer wieder, sich vom allgemeinen Trend abzukoppeln. "Es gibt immer mehr eine Firmenkonjunktur als eine Branchenkonjunktur", räumte Peter Voithofer, stellvertretender Direktor der KMU Forschung Austria, dazu ein.

Mehr Individualität

Lemler ist überzeugt, dass sich in sieben bis neun Jahren "das Bild drehen und wieder mehr Individualität im Handel gefragt sein wird", denn derzeit werde "überall das gleiche angeboten". Parallelen in der Handelsentwicklung sieht der Experte zum Fußball.

"Nach einigen schwierigen Jahren mit geringem Interesse für Fußball kommen jetzt wieder mehr Besucher auf den Fußballplatz. Beim Handel wird es genauso sein", hofft Lemler auf bessere Zeiten.

Belastend auf die Handelskonjunktur wirken sich derzeit neben der steigenden Sparneigung der Österreicher auf Grund der allgemein schlechten Konjunktur- und Stimmungslage auch die steigenden Kreditspesen bei den Banken im Zuge der Umstellung auf das neue Eigenmittelregime Basel II aus. (APA)

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