Teilzeitarbeit ist in Österreich vor allem weiblich

31. Juli 2005, 18:18
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600.000 Österreicherinnen haben einen Teilzeitjob - AK fordert auch bei Teilzeit Zuschläge für Mehrarbeit

Wien - Die Chance für Frauen auf einen Vollzeitarbeitsplatz in Österreich werden immer geringer, der Beschäftigungszuwachs entfalle fast zu 100 Prozent auf Teilzeit, betonte der Präsident der Arbeiterkammer (AK), Herbert Tumpel, am Mittwoch bei einem Pressegespräch.

Im 4. Quartal 2004 waren in Österreich inklusive geringfügig Beschäftigter rund 600.000 Frauen Teilzeit beschäftigt. Dieser Trend werde sich weiter verschärfen. Teilzeitjobs seien unsicher und schlecht bezahlt, und die Aufstiegschancen liegen nahezu bei Null, geht aus einer aktuellen AK-Untersuchung zum Thema Teilzeitarbeit bei Frauen hervor.

"McJobs" sind weiblich

Die "McJobs", so Tumpel, seien vor allem weiblich. Die angespannte Lage am Arbeitsplatz und die Tendenz immer mehr Billigjobs statt qualitative Arbeitsplätze zu schaffen, strafe vor allem Frauen mit Kindern. So betrage die Teilzeitquote bei Frauen 37 Prozent gegenüber der der Männer mit nur 4 Prozent.

Weibliche Teilzeitarbeit ist nicht nur einfach kürzere Arbeitszeit, sondern sie ist vor allem schlecht qualifiziert. So arbeitet jede dritte Teilzeit beschäftigte Frau als Hilfsarbeiterin oder in einfacher Tätigkeit, bei den Vollzeitbeschäftigten ist es nur jede fünfte. Nur jede zehnte Teilzeit beschäftigte Frau ist in einer Führungsposition, bei den Vollzeitbeschäftigten ist es jede vierte Frau.

Neben der Benachteiligung bei der beruflichen Position ist Teilzeitarbeit deutlich unsicherer als ein Vollzeitjob. 17 Prozent der Teilzeit-Dienstverhältnisse dauern kürzer als ein Jahr gegenüber 12 Prozent bei Vollzeitjobs. Damit sei das Risiko, innerhalb eines Jahres den Arbeitsplatz zu verlieren, bei Teilzeitarbeit um 42 Prozent größer als bei Vollzeitarbeit.

Geringerer Lohn

Deutlich negativ wirke sich Teilzeit auch auf das Einkommen aus. Während ein Vollzeitbeschäftigter pro Stunde im Schnitt 11 Euro verdient, beträgt der Stundenlohn einer Teilzeitbeschäftigten im Schnitt nur 8 Euro.

Teilzeit sei für Unternehmen oft eine Stategie zur Senkung der Arbeitskosten, kritisiert Tumpel. Da bei Teilzeit anders als bei Vollzeit für Mehrleistungen keine Zuschläge zu bezahlen seien, nützen die Unternehmen Teilzeit oft als "billigen Arbeitszeitpuffer". Die AK fordert daher, dass für Mehrarbeit von Teilzeitbeschäftigten verpflichtende Zuschläge eingeführt werden sollen.

Weiters fordert die Arbeiterkammer mehr Kinderbetreuungsplätze. Es fehlen derzeit bundesweit rund 100.000 Plätze, so Tumpel. Darüber hinaus sollten Teilzeitbeschäftigte einen Anspruch darauf erhalten, bei Neubesetzung von Vollzeitstellen vorgezogen zu werden.

Unzumutbare Tendenz

Die Arbeiterkammer sei nicht gegen freiwillig gewählte Teilzeitarbeit, die den Bedürfnissen der Beschäftigten entsprechen. Aber die Teilzeitarbeit, wie sie derzeit um sich greife, sei für die Frauen nicht zumutbar.

Ohne der Möglichkeit einer Teilzeitbeschäftigung wäre die Frauenarbeitslosigkeit in Österreich wesentlich höher, so die ÖVP-Frauensprecherin Elisabeth Scheucher-Pichler. Österreich habe mit einer Quote von 79 Prozent die höchste Frauenerwerbsquote in Europa. Der EU-Schnitt liege lediglich bei 69 Prozent. (APA)

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AK
  • Infografik: Teilzeitarbeit ist weiblich

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