Gift-Algen sind weltweit zunehmendes Problem

23. Juli 2005, 18:00
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Ostreopsis ovata seit 1989 im Mittelmeer nachgewiesen - mittlerweile gibt es bereits eine eigene Fachzeitschrift zum Thema

Wien - Giftige Meeresalgen, wie sie derzeit vor der Küste Liguriens auftreten, sind laut Michael Stachowitsch vom Department für Meeresbiologie der Universität Wien ein weltweit zunehmendes Problem. Als Ursachen dafür nannte der Meeresbiologe der APA Klimaerwärmung, Küstenverschmutzung und den Schiffsverkehr.

Eigene Fachzeitschrift

Mit dem Titel "Harmful Algal News" (frei übersetzt: Neues über gefährliche Algen, Anm.) hat sich mittlerweile sogar eine eigene wissenschaftlichen Fachzeitschrift zum Thema etabliert; und die Meldungen häufen sich. Generell machen potenziell giftige Algen dann Probleme, wenn sie in Massen vorkommen. "Solche so genannten Algenblüten werden durch die Küstenverschmutzung gefördert", ist der Meeresbiologe überzeugt. Stachowitsch untersucht selbst seit Jahrzehnten Sauerstoffkatastrophen in der Adria, für die ebenfalls Verschmutzung und Überdüngung verantwortlich gemacht werden.

Im Falle der Alge Ostreopsis ovata, die mit einer Größe von zwei Hundertstel Millimeter zu den absoluten Zwergen zählt, dürfte auch die Klimaerwärmung eine Rolle spielen. Laut Jörg Ott, Leiter der Wiener Meeresbiologie, ist diese Alge aus der Gruppe der Dinoflagellaten erst seit 1989 im Mittelmeer bekannt. Seither hat sie auch schon einige Male Probleme verursacht, so etwa an der toskanischen Küste. Ursprünglich stammt die Art aus tropischen Regionen des Pazifik, weltweit erstmals als Art beschrieben wurde sie 1981. Mit zunehmender Erwärmung scheint sich die Alge auch im Mittelmeer wohl zu fühlen.

Rotes Gift

Dinoflagellaten - meist einzellige, begeißelte Organismen - sind bekannt für ihre Gift produzierenden Vertreter. So gibt es immer wieder Meldungen über Fischsterben oder Muschelvergiftungen durch Arten der Gattung Alexandrium, die auch für die so genannten Roten Tiden bekannt sind. Dabei färbt sich das Wasser durch die Massevermehrung der Algen rot.

Inwieweit sich das Wasser auch durch die winzige Ostreopsis ovata verfärbt, ist bis jetzt unklar. Bekannt ist, dass das von der Art produzierte Gift zu den Saxotoxinen gehört, eine nähere Charakterisierung steht allerdings noch aus. Gefährdet sind Menschen durch den Verzehr von mit dem Gift verseuchte Nahrung, vor allem Muscheln. Aber auch durch Verschlucken von Wasser oder das Einatmen von kleiner Mengen von Gischt oder Schäumen am Meer kann Probleme verursachen.

Schiffsverkehr verschleppt die Algen

Dass die Alge überhaupt vom Pazifik ins Mittelmeer gelangte, ist nach Ansicht von Stachowitsch dem internationalen Schiffsverkehr zu verdanken. Etwa durch Ballastwasser, das irgendwo aufgenommen und unter Umständen Tausende von Kilometern entfernt wieder abgegeben wird, können lokale Lebensgemeinschaften gehörig durcheinander geraten. Fremde Arten in einem Gebiet haben häufig keine Feinde und können sich so massenhaft vermehren.

Gift wird von Meeresalgen unter anderem eingesetzt, um die Konkurrenz in Schach zu halten. Die meiste Zeit lebt Ostreopsis unauffällig am Meeresboden oder als Aufwuchs auf anderen Algen. Nur unter bestimmten Bedingungen kommt es zur Massenproduktion von schwärmenden Formen, welche die bekannten Probleme bereitet. (APA)

Links

IOC-Newsletter Harmful Algae News

"Toxische Algenblüten – eine neue Naturkatastrophe?",
Biologische Meereskunde, Institut für Ostseeforschung Warnemünde

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    Für die Ausbreitung der nur zwei Hundertstel Millimeter großen Alge Ostreopsis ovata dürfte auch die Klimaerwärmung verantwortlich sein.

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