Anzeige gegen ORF-"Quiz Express"

18. Oktober 2005, 22:37
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"Verbotenes Glücksspiel" auch auf Puls, ATV wird ebenfalls vom Finanzminister zur Anzeige gebracht

Dem ORF hat der "Quiz Express" kein Glück gebracht: Nicht nur verärgerte der Küniglberg damit seine Zuschauer, jetzt wurde vom Finanzministerium auch noch Anzeige wegen des Verdachts auf verbotenes Glücksspiel erstattet.

Die Behörden sind bereits aktiv: Der ORF erklärte, "dass die Polizei zu Informationszwecken mit uns Kontakt aufgenommen hat". Auch die beiden österreichischen Privatsender Puls TV und ATV+ wurden angezeigt. Bei ATV+ ist der Anwalt bereits mit der Causa beschäftigt. Und Puls TV ist ebenfalls "bereits mit den zuständigen Behörden in Kontakt, um die Verdachtsmomente, die aus unserer Sicht unberechtigt sind, auszuräumen".

Bei Spielen mittels Mehrwert-Telefonnummern sei jener Teil der Telefongebühren, die an den Sender gehen, als Einsatz zu betrachten, so die Rechtsansicht des Finanzministeriums. Ist der Spielausgang "ausschließlich oder mehrheitlich vom Zufall abhängig", würden solche Ausspielungen unter das Glücksspielmonopol fallen. Dies sei insbesondere dann der Fall, wenn die Teilnahmemöglichkeit von einer zufallsbedingten "freien Leitung" abhänge: Wer nicht durchkommt, zahlt trotzdem. "Diese Teilnehmer verlieren dann zufallsbedingt ihren Einsatz", argumentiert der Finanzminister.

Fragwürdig vereinbar

Im ORF war bis vor Kurzem der "Quiz Express" unterwegs. Der Publikumsrat kritisierte wiederholt die "fragwürdige Vereinbarkeit mit dem öffentlich-rechtlichen Auftrag". Das Format ist zudem auch im Visier der Medienbehörde: Die KommAustria zeigte im Juni dieses Jahres vermutete Verstöße beim "Quiz Express" beim Senat an. Schließlich wurde die Sendung in eine zeitlich nicht definierte "Sommerpause" geschickt.

Für den Stadtsender Puls TV ist deren Manager Martin Blank überzeugt, dass die von Puls TV produzierten Quizsendungen nicht gegen das Glücksspielgesetz verstoßen." Man arbeite an einem "Ehrenkodex" und wolle "für alle betroffenen Fernsehveranstalter und die Zuseher Rechtssicherheit schaffen, um die Diskussion über interaktive Fernsehformate sachlich führen zu können." (prie, APA/DER STANDARD, Printausgabe, 21.7.2005)

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    foto: photodisc
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