Intel entspricht Erwartungen

29. Juli 2005, 20:32
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Mehr Umsatz und Gewinn beschert dem US-Chiphersteller vor allem die anhaltende Nachfrage nach Notebooks - Aktienkurs sinkt

San Francisco - Der US-Chiphersteller Intel hat Gewinn und Umsatz im abgelaufenen Quartal im Rahmen der Markterwartungen gesteigert und dabei vor allem von der ungebrochenen Nachfrage nach Notebooks profitiert. Der Weltmarktführer machte Produktionsengpässe dafür verantwortlich, dass er die Analystenprognosen nicht erneut übertraf. Die Intel-Aktie gab deshalb nachbörslich um gut vier Prozent nach.

Im zweiten Quartal sei der Nettogewinn gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund 15 Prozent auf 2,03 Milliarden Dollar (1,70 Mrd. Euro) oder 33 Cent je Aktie gestiegen, teilte Intel am Dienstagabend nach US-Börsenschluss mit. Der Umsatz kletterte auf 9,2 Milliarden Dollar von 8,0 Milliarden Dollar. In fünf der vergangenen sieben Quartale war es Intel gelungen, die Erwartungen der Wall Street zu übertreffen.

Mangelnde Produktionskapazitäten

Allein mangelnde Produktionskapazitäten hätten dafür gesorgt, dass die Zahlen der zurückliegenden drei Monate nicht wieder über den Prognosen gelegen hätten, erklärte Intel. "Momentan ist die Nachfrage so groß, dass wir nicht in der Lage waren, ausreichende Lagerbestände aufzubauen", sagte Intel-Finanzchef Andy Bryant. "Das wird angesichts der erhöhten Erwartungen gegen Quartalsbeginn wahrscheinlich als Enttäuschung gewertet werden", erklärte Smith-Barney-Analyst Glen Yeung.

Tatsächlich sank der Kurs der Intel-Aktie nachbörslich um 4,4 Prozent auf 27,45 Dollar. Auch die deutschen Aktienmärkte belastete das Ergebnis des Branchenprimus: Der Kurs des Münchner Chipherstellers Infineon gab kurz nach Börsenbeginn am Mittwoch um 1,4 Prozent nach. Die Aktie konnte sich aber im frühen Handel erholen und notierte am Vormittag noch mit einem Minus von 0,12 Prozent.

Energiesparende Chips gefragt

Ein Drittel seines Umsatzes im Personal-Computer-Geschäft machte Intel im zweiten Quartal mit besonders energiesparenden Chips für Notebooks. Das sind 50 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Dagegen betrug der Anteil der Desktop- und Server-Computer nur noch zwei Drittel - im Vorjahreszeitraum waren es noch 73 Prozent.

Für das laufende dritte Quartal prognostizierte Intel einen Umsatz zwischen 9,6 Milliarden und 10,2 Milliarden Dollar. Analysten gingen bislang im Schnitt von 9,77 Milliarden Dollar aus. "Insgesamt sind das sehr optimistische Zahlen", kommentierte Apjit Walia von RBC Capital Markets die Intel-Prognose. "Natürlich hat sich die Aktie in den vergangenen Monaten gut entwickelt, und die Leute könnten die Nachrichten zum Anlass nehmen, Gewinne mitzunehmen."

Das Unternehmen mit Sitz im kalifornischen Santa Clara stellt mehr als 80 Prozent aller weltweit in Computer eingebauten Mikroprozessoren her. Die Chips sind die zentrale Steuerungseinheit für die anderen Rechnerkomponenten.

Österreich - Trend zur mobiler Technologie

In Österreich sei bisher im Jahresverlauf 2005 die Nachfrage nach Centrino-Prozessoren für mobile Rechner sehr gut gewesen, sagte der Chef von Intel Deutschland, Österreich und der Schweiz, Hannes Schwaderer, im Gespräch mit der APA. Der österreichische Retailmarkt habe sich recht stark entwickelt, es gebe noch immer einen starken Trend zum privaten PC. Die Auslieferung von Komponenten für mobile Endgeräte an Fachhändler und Assemblierer habe sich gegenüber vor einem Jahr verzehnfacht, jene von Serverkomponenten habe sich im zweiten Quartal verdoppelt.

Eine Zukunftsstrategie von Intel stellen Prozessoren mit zwei Kernen ("Dual Core") dar. "Wir stellen alle unsere Produkte um", sagte Schwaderer. Bereits 2006 sollen laut Intel-Planungen 85 Prozent der Server, 70 Prozent der Desktop-Computer und 75 Prozent der Notebooks mit Dual-Core-Prozessoren ausgestattet sein. Die weltweite Nachfrage danach sei bei den Assemblierern sehr gut.

Druck auf die Margen

Mit der Umstellung werde bereits in den nächsten Monaten begonnen. Zur Produktion der neuen Prozessoren werde noch in diesem Jahr von der derzeitigen 90- auf die neue 65-Nanometer-Technologie umgestellt. "Die Umstellung soll sehr schnell vor sich gehen, auch weil es Druck auf die Margen gibt", meinte Schwaderer. Für den weltweiten Umbau und die Umstellung der Fabriken stünden in diesem Jahr 5,9 Mrd. Dollar (4,93 Mrd. Euro) zur Verfügung. Am europäischen Produktionsstandort Irland werde noch eine vierte Fabrik dazukommen. Derzeit würden dort 5.500 Europäer beschäftigt.

Autoanwendungen

Eine weitere Produktgruppe, von der sich Schwaderer großes Potenzial erwartet, sind mobile Anwendungen für Autos. Gemeinsam mit der deutschen E.E.P.D. Electronic Equipment Produktion & Distribution GmbH sei ein hoch integrierter Auto-PC auf Notebook-Technologie zur Marktreife gebracht worden, mit dem man sowohl Radio hören, DVDs abspielen, fernsehen, spielen, im Internet surfen und navigieren könne. Dabei könnten mehrere Anwendungen parallel aktiv sein. So könnte etwa auf den Rücksitzen ein DVD-Film angesehen oder Internet gesurft werden und der Fahrer gleichzeitig das Navigationsgerät benutzen.

Das Wachstum bei mobilen Prozessoren (CPUs) habe im abgelaufenen Quartal 68 Prozent betragen. "Wir sehen keine Änderung im Trend", meinte Schwaderer. Die Nachfrage nach Laptops und mobilen Geräten sei vor allem in den entwickelten Märkten ungebrochen. Desktop-Chips würden in den weniger entwickelten Märkten stärker nachgefragt.

Im Gegensatz zu anderen Hochtechnologie-Konzernen drohe bei Intel kein Jobabbau. "Im Gegenteil, wir haben beim Personal stark aufgebaut", sagte Schwaderer. Der Konzern sei auf der ganzen Welt eingebettet. Wichtig sei es, auf den Wachstumsmärkten präsent zu sein. Dazu zählten etwa Asien, Südamerika und Schwellenländer, die eine Industrialisierung planten. Diese würden am schnellsten wachsen. Auch in China und Russland sei Intel präsent. In Russland seien zum Beispiel 1.500 Mitarbeiter mit Forschung und Entwicklung beschäftigt. (APA/Reuters)

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