Iran zu Schily: "Soll sich vom Einfluss zionistischer Kreise loszureißen"

26. Juli 2005, 13:54
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Außenamtssprecher: "Lächerliche Unterstellungen" und Beleidigung des iranischen Volkes - Schily weist Kritik Teherans scharf zurück

Teheran, Berlin - Die iranische Regierung hat Äußerungen des deutschen Innenministers Otto Schily zum künftigen Präsidenten Mahmud Ahmadinejad verurteilt. Die Tageszeitung "Jomhuri Islami" zitierte am Mittwoch Außenamtssprecher Hamid Reza Assefi mit den Worten, "Unterstellungen" des Ministers gegen den neuen Präsidenten seien "grundlos und lächerlich". Darüber hinaus seien sie eine Beleidigung des iranischen Volkes, dessen absolute Mehrheit bei der Wahl am 24. Juni für Ahmadinejad gestimmt hat.

Schily hatte sich in einem Interview des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" (Montag-Ausgabe) zu der Wahl geäußert und gesagt: "Wenn wir jetzt hören, dass der Iran und der Irak enger kooperieren wollen und in Teheran gleichzeitig ein Fundamentalist an die Macht kommt, bei dem nicht sicher ist, dass er absolute Distanz zum Terrorismus hält, sind das alles sehr Besorgnis erregende Perspektiven". Der Sprecher des Teheraner Außenministeriums "empfahl" Schily nach Angaben der Zeitung, "sich durchdachter zu äußern, vom Einfluss zionistischer Kreise loszureißen und die demokratischen Grundsätze zu respektieren". Assefi kündigte an, Teheran werde eine Erklärung der Regierung in Berlin dazu fordern.

Sprecher: "Unglaubliche Unverschämtheit"

In ungewöhnlich scharfer Form hat der deutsche Innenminister Otto Schily Kritik der iranischen Regierung zurückweisen lassen. Schilys Sprecher Rainer Lingenthal nannte es am Mittwoch in Berlin eine "unglaubliche Unverschämtheit", dass der iranische Außenamtssprecher Hamid Resa Assefi einem Zeitungsbericht zufolge dem Minister empfohlen habe, "die demokratischen Grundsätze zu respektieren".

Lingenthal bezeichnete die Aussagen Schilys im "Spiegel" als korrekt, das Interview sei vom Minister autorisiert worden. Der Iran sei ein Land, "in dem die Menschenrechte ständig verletzt werden, in dem Frauen nach dubiosen Urteilen ausgepeitscht werden, in dem Regimekritiker ohne Möglichkeit auf juristischen Beistand monatelang in Einzelhaft genommen werden". Dass aus einem solchen Land die Aufforderung zur Respektierung der demokratischen Grundsätze komme, sei "an Unverfrorenheit kaum noch zu überbieten", meinte Lingenthal. Wenn irgendwo die demokratischen Grundsätze respektiert werden sollten, dann solle sich der Sprecher des iranischen Außenministeriums an sein eigenes Land wenden.

(APA/dpa)

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    Irans Reaktions auf Äußerungen des deutschen Innenministers Otto Schily im Spiegel sei "an Unverfrorenheit kaum noch zu überbieten", so Schilys Sprecher.

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