Wehrhafte Software aus Tirol

28. Juli 2005, 11:06
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Mit hochkomplexen Firewalllösungen fordert die in Innsbruck beheimatete phion die internationale Konkurrenz heraus

Selbstbewusst waren die Tiroler schon immer. "Unser Ziel ist es, in Europa der dominierende Hersteller von Connectivity- und IT-Security-Software zu werden. Das ist ambitioniert, aber realistisch", sagt Klaus Gheri, Technikchef und Mitbegründer des in Innsbruck ansässigen Sicherheitsspezialisten phion Informations Technologies. Die Sparringpartner sind dabei keine geringeren als die amerikanische Cisco und die israelische Checkpoint.

Hochkomplex

Ganz grob gesprochen beschäftigt sich phion mit hochkomplexen Firewallsystemen für mittelständische und Großunternehmen mit Filialnetz. Diese Firmen benötigen für ihre internetbasierenden Anwendungen und den damit zusammenhängenden Datentransfers (E-Mail, E-Commerce etc.) bestmögliche Geschwindigkeit und Verfügbarkeit mit höchster Sicherheit. Sprich, die phion-Lösungen haben dafür zu sorgen, dass selbst in der entferntesten Niederlassung eines Unternehmens sämtliche über das Internet verfügbaren Applikationen sowie das Internet selbst störungsfrei und sicher, also nicht von außen angreifbar, laufen.

"Abwehrfähigkeit"

Die "Abwehrfähigkeit" der Tiroler hat sich mittlerweile auch außerhalb des Landes herumgesprochen. Zu den Referenzkunden zählen der Flugzeugerhersteller EADS ebenso wie das deutsche "Bundesamt für die Aner- kennung ausländischer Flüchtlinge" oder die heimische Schoellerbank.

Das Startkapital der fünf Firmengründer, die allesamt als Physiker an der Universität Innsbruck forschten, bestand im Jahr 2000 laut Gheri vor allem aus "Hirn und Arbeitskraft". Auch sie machten die leidige Erfahrung vieler Firmengründer, dass Banken beim Thema Innovation nur selten den Kredithahn öffnen. "Wir sind eine Firma, die sich nach oben gehungert hat", blickt er zurück.

Projekte

Vorausgegangen war der Firmengründung ein Projekt für das Austria Rechenzentrum (ARZ) im Jahr 1999. Der EDV-Dienstleister für 56 Institute der Volksbanken-Gruppe und vier Hypobanken hatte das seinerzeit weltweit größte Firewallprojekt gestartet. Herausforderung dabei war, bei einer gemeinsam genutzten IT-Infrastruktur die Netzwerke jeder einzelnen Bank gegenüber den anderen abzusichern. Eine Standardlösung gab es dafür nicht. Die fünf Physiker, mit Netzwerkexperimenten und Kostenbewusstsein bestens ausgestattet, fanden sie.

Beteiligung

Auftrieb für phion gab die Beteiligung der österreichischen Private Equity Gruppe Capexit (Erste Bank) im Jahr 2002. Seit dem Vorjahr sind die Tiroler mit einer Niederlassung in Deutschland vertreten, heuer setzte man den Fuß in die Schweiz. 35 Mitarbeiter zählt der Securityexperte heute, Ende des Jahres sollen es 40 sein, diesjähriges Umsatzziel liegt bei viereinhalb Millionen Euro an.(Karin Tzschentke/DER STANDARD, Printausgabe vom 20.7.2005)

  • Dr. Klaus Gheri, CTO und Mitbegründer
    foto: phion

    Dr. Klaus Gheri, CTO und Mitbegründer

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