Salmonellenaffäre am Wörthersee: Staatsanwalt beeinsprucht Diversion

22. Juli 2005, 13:46
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Prozess um über 100 Krankheitsfälle - Ungewöhnlich heiß sei es damals gewesen - Frischfleisch lag im eigenen Tauwasser

Die Staatsanwaltschaft Klagenfurt wird gegen die Diversion im Prozess rund um die Salmonellenaffäre Einspruch erheben. Wie Staatsanwalt Gottfried Kranz am Donnerstag erklärte, sei man mit der außergerichtlichen Bereinigung der Affäre im Falle des ehemaligen Restaurantpächters Leopold T. nicht einverstanden.

Der 65-Jährige hatte den Vorschlag des Richters, das Verfahren mit einer Geldstrafe von 5.400 Euro sowie Schadenersatzleistungen an die Opfer zu beenden, sofort angenommen. Nun ist das Oberlandesgericht Graz am Zug, eine Entscheidung wird noch im Laufe dieses Jahres erwartet. Keine Einwände hat die Anklagebehörde gegen die Diversion im Fall des Sohnes des Gastronomen.

Er war wegen vier Krankheitsfällen angeklagt worden. Er muss laut Richter 2.700 Euro zahlen, damit das Verfahren eingestellt wird.

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Klagenfurt – Ein Verfahren zum Dessert: Die Salmonellenaffäre im Strandbad-Restaurant in der Ostbucht des Wörthersees hat am Landesgericht Klagenfurt ein Nachspiel. Der Betreiber und sein Sohn mussten sich am Mittwoch wegen fahrlässiger Gemeingefährdung und fahrlässiger Körperverletzung verantworten.

Im Juli 2003 sollen ihre Betriebe Ausgangspunkt von mehr als 100 Salmonellenerkrankungen gewesen sein. Auch der Leiter des Marktamtes und einer seiner Mitarbeiter stehen vor Gericht.

Versäumnisse

"Mangelnde Hygiene" wirft Staatsanwalt Friedrich Borotschnik den Inhabern der Betriebe vor. Wiederholt seien Mitarbeiter erkrankt, Maßnahmen habe es aber nicht gegeben. "Im Nachhinein weiß man, was man hätte anders machen können", bestätigte Leopold T., der Besitzer des Strandbad-Restaurants, Versäumnisse. Ein Schuldeingeständnis will der Wirt damit aber nicht machen: "Das ist es nicht." Dem Vergleich des Anklägers mit einem "gastronomischen Verkehrsunfall" konnte er schon mehr abgewinnen.

Hygienische Mängel

Bei einem Lokalaugenschein kurz nach Auffliegen der Affäre wurden in dem Betrieb zahlreiche hygienische Mängel festgestellt: Mitarbeiter des Magistrats fanden Fleischstücke, die Wochen zuvor gekocht worden waren, Frischfleisch lag im eigenen Tauwasser in einem offenen Behälter, in den Kühlräumen herrschte laut Prüfbericht eine "große Unordnung".

Auch Pächter des Restaurants Minimundus betroffen

Der Sohn von Leopold T., Pächter des Restaurants Minimundus, muss sich ebenfalls verantworten. Bei vier Gästen seines Betriebes waren ebenfalls Salmonellenerkrankungen aufgetreten.

Hans Winkler, Verteidiger der Männer, führt viele Ursachen als entscheidend für die Salmonellenepidemie an. Ungewöhnlich heiß sei es damals im Sommer 2003 gewesen, Entenkot und die Teilnehmer des "Ironman"-Triathlon hätten einiges zu den verhängnisvollen Umständen beigetragen. Denn durch den Mangel an sanitären Anlagen zur Zeit des Bewerbes hätten einige Sportler ihre Notdurft an allerlei Orten verrichtet, so auch in der Nähe des Restaurants.

Ehemalige Gäste

Auch zwei ehemalige Gäste des Restaurants sagten vor dem Richter aus. Ein 45-jähriger Steirer hatte kurz nach dem Verzehr eines Rindfleischsalats im Strandbad- Restaurant stationär behandelt werden müssen. "Ich bekam fünf Tage lang Infusionen", erzählte er.

Eine Villacherin berichtete, ihr habe nach dem Besuch im Lokal der Blinddarm entfernt werden müssen. Ob diese und 83 weitere Vorfälle durch das Essen im Strandbad-Restaurant verursacht wurden, muss nun vom Richter einzeln geklärt werden.

Lokal wurde nicht sofort geschlosssen

Der Leiter des Marktamtes – nach der Affäre war er zeitweilig suspendiert – steht ebenfalls wegen Gemeingefährdung vor Gericht. Der Grund: Das Restaurant war nach Bekanntwerden der ersten Erkrankungsfälle nicht sofort behördlich geschlossen worden. Am 17. Juli waren die ersten Erkrankungsfälle aufgetaucht, die Küche des Lokals wurde aber erst fünf Tage später geschlossen. Seit der vergangenen Saison betreiben die Stadtwerke Klagenfurt als Eigentümer des Strandbads die Gastronomie übrigens selbst.

Die Stadt Klagenfurt hat sich dem Verfahren als Privatbeteiligte angeschlossen. Sie will Ersatz für den ihr zugefügten Imageschaden haben, auch von ihrem eigenen Marktamtsleiter, der nach wie vor diese Funktion ausübt, und dessen Mitarbeiter. (APA)

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