Ein europäisches "Triple A"-Festival

20. Juli 2005, 21:13
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"Anspruch, Avantgarde und Authentizität" attestiert Kunststaatssekretär Morak in Eröffnungsrede - Bundespräsident Fischer eröffnete 60. Saison am See

Wien - Bundespräsident Heinz Fischer hat am Mittwoch Vormittag in Anwesenheit des Schweizer Bundespräsidenten Samuel Schmid und zahlreicher anderer Gäste aus dem In- und Ausland in einem unkonventionellen Festakt mit Programm-Kostproben und Show-Elementen die 60. Bregenzer Festspiele eröffnet. Der Titel der Oper "Maskerade" von Carl Nielsen, der am Abend - ebenfalls im Festspielhaus - die erste Premiere gilt, war auch Motto des Festakts.

Herzstück des Festivals ist die Neuinszenierung der Verdi-Oper "Troubadour", die auch 2006 als Spiel auf dem See gegeben wird. Zu den mehr als 80 Festspiel-Veranstaltungen - von Oper über Konzerte, Operette, Schauspiel bis zu "Kunst aus der Zeit" - werden heuer bis 21. August knapp 200.000 Besucher erwartet, rund 175.000 davon beim "Troubadour".

Fischer: "Sicher kein Zufall, dass Festspiele auch wirtschaftlich zu den erfolgreichsten Festivals in Mitteleuropa zählen"

In seiner Eröffnungsrede meinte Bundespräsident Heinz Fischer, es sei "sicher kein Zufall, dass gerade diese Festspiele im Westen Österreichs auch wirtschaftlich zu den erfolgreichsten Festivals in Mitteleuropa zählen und eine Zuschauerauslastung haben, die so manchen Kulturmanager oder auch Kulturpolitiker neidvoll nach Bregenz blicken lässt". In Bregenz gebe es "Festspiele an einem Ort der Begegnung - der Dreiländerecke am Bodensee - wo der Dialog lebt und Begegnungen der unterschiedlichsten Art zu Stande kommen", so Fischer.

Der Bundespräsident thematisierte in seiner Rede sein Treffen mit dem Schweizer Bundespräsidenten Samuel Schmid und erinnerte anlässlich des 60. Jubiläums sowohl der Zweiten Republik als auch der Bregenzer Festspiele an die "grenzüberschreitende Solidarität seitens der Schweiz" in der Nachkriegszeit.

"Triple A" für Anspruch, Avantgarde und Authentizität

Kunststaatssekretär Franz Morak (V) räumt den Bregenzer Festspielen höchsten Qualitätsstandard ein. In Anlehnung an internationale wirtschaftliche Spitzenbewertungen verlieh er bei der heutigen Eröffnung ein symbolisches kulturelles "Triple A" für Anspruch, Avantgarde und Authentizität. "Die Bregenzer Festspiele sind von ihrer programmatischen Ausrichtung ein europäisches Festival", bekräftigte Morak in seiner Rede.

Das Festival sei aber auch ein Ort, an dem sich zur Festspielzeit Europäer aus allen Teilen des Kontinents treffen. Die Anwesenheit des Schweizer Bundespräsidenten, des Regierungschefs von Liechtenstein, des Landeshauptmannes von Südtirol oder der von ihm eingeladenen Bildungs- und Kulturministerin Limor Livnat aus Israel würde das beispielhaft unterstreichen. Morak lobte jene "künstlerische Offenheit, die sich die Bregenzer Festspiele seit vielen Jahren als einen programmatischen Grundsatz zu Eigen gemacht haben".

Die moderne Prorammschiene "Kunst aus der Zeit" trage dazu bei, so Morak, dass die Bregenzer Festspiele 2005 "weit mehr als ein behäbiges bildungsbürgerliches Ereignis" seien. Das Festival stelle sich der "Herausforderung, für ein kulturelles Ganzes zu stehen, das sich durch eine große Durchlässigkeit auszeichnet". Der Erfolg auf der Seebühne bilde die Grundlage des innovativen, zeitgenössischen Kunstschaffens.

Die Bregenzer Festspiele 2005 erlebten auch eine Zäsur, erinnerte Morak: "Es ist dies heuer die erste Saison, der David Poutney als Intendant voll inhaltlich seinen künstlerischen Stempel aufdrückt - es ist zugleich das letzte Jahr, bevor unmittelbar nach dem Ende der heurigen Festspiele die Neugestaltung des Festspielbezirkes beginnen wird". Im kommenden Jahr werde dann der 60. Geburtstag der Bregenzer Festspiele mit der Neueröffnung des Festspielhauses zusammen fallen.

Rhomberg Abschied vom alten Festspielhaus in "Wehmut"

An diesen Einschnitt erinnerte auch Festspielpräsident Günter Rhomberg in seinen Begrüßungsworten. Die Bregenzer Festspiele seien mit 60 Jahren "in einer erfolgreichen Phase der Entwicklung". Die Geburtstagsfeier werde 2006 im bereits erneuerten Haus stattfinden. "Vom alten, 1980 eröffneten Festspielhaus verabschieden wir uns heute in großer Dankbarkeit und mit Wehmut". (APA)

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    "Troubadour"-Kulisse am See

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