"Ein schwieriges Erbe"

24. Juli 2005, 09:34
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Rat-Slowenen wählen Obmann und Volksgruppentag neu

Klagenfurt – Beim Rat der Kärntner Slowenen kommt es zu einem Führungswechsel. Derzeit wird sowohl der neue Ratsobmann als auch die Zusammensetzung des Volksgruppentages, das Ratsparlament, als höchstes Gremium gewählt.

Der bisherige Obmann Joze Wakounig zieht sich zurück. Er hatte seine Führungsaufgabe in einer – durch die Ortstafelproblematik angeheizten heiklen Phase – stets nur als interimistisch angesehen. Als seine Nachfolger haben zwei altbekannte Funktionäre kandidiert: Langzeit-Ratschef Matthäus Grilc (1976 bis 1995) und der Exparlamentarier Karel Smolle.

Der mehrheitliche Ruf der Basis hätte eigentlich Rudi Vouk ereilt, jenen Rechtsanwalt, der das Kärntner Ortstafel-Erkenntnis des VfGH erstritten hatte, das den Kärntner Slowenen wesentlich mehr zweisprachige Ortstafeln zugesteht. Doch er gilt in der "offiziellen" Landespolitik als Hardliner und Provokateur. Vouk sagte schließlich aus familiären Gründen ab. Also könnte nun statt ihm sein Schwiegervater Matthäus Grilc das Ruder übernehmen.

Karel Smolle, der 1986 im Zuge einer Bündnispartnerschaft auf einem grünen Ticket in den Nationalrat einzog, sieht seine Kandidatur vor allem als demokratiepolitisch notwendig.

Kommenden Donnerstag wird das Ergebnis der Wahlen unter rund 6000 Mitgliedern, bekannt gegeben.

Interimsobmann Wakounig sparte anlässlich seiner Bilanz nicht mit Kritik an seinem Vorgänger Bernard Sadovnik: "Ich musste ein schwieriges Erbe antreten." Sadovnik verfolgte einen von vielen Slowenen argwöhnisch beäugten Kurs der Annäherung an Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider. 2003 trat er schließlich nach internen Konflikten zurück und gründete die "Gemeinschaft der Slowenen und Sloweninnen". Damit und vor allem mit der finanziellen Gebarung habe er dem Rat "schweren Schaden" zugefügt, sagt Wakounig.

Als Positivum führte er ins Treffen, dass der Rat den Lockungen widerstanden habe, Verhandlungen mit dem Heimatdienst und dem Abwehrkämpferbund aufzunehmen. Gerade Letzterer hat ja kürzlich wieder einmal eine mögliche Lösung der Ortstafelfrage torpediert. (stein, DER STANDARD, Print, 20.7.2005)

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