Muslime: Gegen "ungerechte Gesetze"

21. Juli 2005, 15:52
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Britische Muslime warnen, dass die geplanten Antiterrormaßnahmen der Regierung Blair kontraproduktiv sein könnten

London – Der britische Premier Tony Blair hat Dienstag mit Vertretern der islamischen Gemeinschaft in London über die Reaktion auf die mutmaßlich von radikalen Islamisten verübten Bombenanschläge in der britischen Hauptstadt beraten. Einer der Hauptgesprächspunkte waren dabei die britischen Antiterrorgesetze, die die Regierung Ende des Jahres einführen will. Mehrere Vertreter der muslimischen Gemeinschaft äußerten die Befürchtung, die neuen Gesetze könnten die jugendlichen Muslime dem Land weiter entfremden.

Zaki Badawi vom Muslim College in London sagte nach dem Treffen, man könnte Radikale und Extremisten isolieren, wenn es der Regierung gelingen würde, die Muslime für sich zu gewinnen. Gleichzeitig warnte er, dass als "ungerecht" wahrgenommene Gesetze "einen Ozean zum Schwimmen für sie (die Terroristen, Anm.) schaffen" würden. Inayat Bungalwala vom Rat der Muslime in Großbritannien wies außerdem darauf hin, dass die Regierung sich fragen müsse, ob die Teilnahme des Landes am Irakkrieg nicht auch zu den Anschlägen vom 7. Juli beigetragen habe.

Davon ist jedenfalls eine große Mehrheit der Briten überzeugt: Zwei Drittel der Befragten sehen in einer Umfrage des Guardian vom Dienstag einen direkten Zusammenhang zwischen der britischen Beteiligung am Irakkrieg und den Terroranschlägen von London. 75 Prozent der Briten halten weitere Selbstmordanschläge in Großbritannien für wahrscheinlich.

Erst am Vortag hatte das renommierte britische Forschungsinstitut Chatham House den Irakkrieg in direkten Zusammenhang mit den Bombenanschlägen von London gestellt. Der Krieg habe die Propaganda von Al-Kaida sowie die Rekrutierung islamistischer Kämpfer und die Beschaffung finanzieller Mittel für das Terrornetzwerk angekurbelt. Zudem sei der Irak für Terroristen mit Al-Kaida-Verbindungen ein ideales Planungs- und Trainingsgebiet.

Die geplanten Antiterrorgesetze soll nun auch "indirekte Anstiftung" zum Terrorismus unter Strafe stellen. Sicherheitskräfte in Pakistan haben indes 25 Verdächtige bei einer nächtlichen Razzia in der Provinz Punjab festgenommen. Sie werden wegen Verbindungen zu den Bombenattentätern befragt. (AFP, Reuters/DER STANDARD, Printausgabe, 20.7.2005)

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