Polen: Präsidentschaftskandidaten polarisieren Polit-Szene

21. Juli 2005, 11:56
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Cimoszewicz und Kaczynski sorgen für Aufwind ihrer jeweiligen Lager

Warschau - Aktuelle Umfragen in Polen deuten darauf hin, dass die beiden heißesten Anwärter auf das höchste Amt im Staat, der Warschauer Bürgermeister Lech Kaczynski und Parlamentspräsident Wlodzimierz Cimoszewicz die politische Szene Polens zu polarisieren beginnen. Die Präsidentschaftskandidaten für die Wahl am 9. Oktober treiben auch den Kurs der ihnen nahe stehenden Parteien in die Höhe, die gleichzeitig zum Präsidentschaftswahlkampf um Stimmen bei der Parlamentswahl am 25. September werben.

Unbestrittener Anführer der Beliebtheitsrangliste ist derzeit Cimoszewicz, der für die politische Linke antritt. Offensichtlich hat sein forscher Auftritt vor dem Untersuchungsausschuss des Parlaments zur Orlen-Affäre, rund um umstrittene Personalentscheidungen beim gleichnamigen halbstaatlichen polnischen Mineralölkonzern, die Unterstützung für ihn nicht negativ beeinflusst. Laut einer Umfrage des Instituts GFK Polonia für die Tageszeitung "Rzeczpospolita" konnte der Sejm-Marschall Mitte Juni mit 31 Prozent der Stimmen rechnen, um drei Prozent mehr als noch am Anfang jenes Monats.

Stichwahl

Um einen Punkt auf 20 Prozent gestiegen ist auch die Beliebtheit seines Hauptkontrahenten Kaczynski von der konservativen Partei "Recht und Gerechtigkeit" (PiS). Es gilt als ziemlich sicher, dass es diese beiden Politiker sein werden, die sich bei der Präsidenten-Stichwahl gegenüberstehen werden. Der Abstand zu den anderen Kandidaten in den Umfragen ist groß und noch im Wachsen begriffen.

Für den Chef der populistischen Samoobrona, Andrzej Lepper, der an dritter Stelle hinter Cimoszewicz und Kaczynski rangiert, wollen 15 Prozent der Befragten stimmen. Den Kardiologen Zbigniew Religa, der zunächst die Umfragen anführte, wollen heute nur noch 14 Prozent als Präsidenten sehen. Noch weiter abgeschlagen ist der Kandidat der rechtsliberalen Oppositionspartei Bürgerplattform (PO), Donald Tusk. Er verlor zuletzt vier Prozent und kann nur mehr auf die Unterstützung von neun Prozent der Polen zählen.

Den zweiten Wahlgang würde laut den Erhebungen von GFK Polonia Cimoszewicz gegen Kaczynski mit 58 zu 42 Prozent der Stimmen für sich entscheiden. Andere Ergebnisse hat diesbezüglich eine am Dienstag in der Zeitung "Gazeta Wyborcza" publizierte Umfrage des PBS-Instituts geliefert: Demzufolge wäre eine Konfrontation Cimoszewicz-Kaczynski ein äußerst knappes Rennen.

Die steigende Popularität von Cimoszewicz hat sich offenbar auch positiv auf die Regierungspartei SLD (Bündnis der Demokratischen Linken) ausgewirkt, die sich erstmals seit Jänner 2004 in einer Umfrage verbessert hat. Die PiS konnte dank Kaczynskis gefestigter Position die PO schon im Frühjahr überholen und von der Spitze verdrängen.

Die Mandatsverteilung im neu gewählten Parlament könnte laut der von PBS gestellten Sonntagsfrage ungefähr so aussehen: PiS 141 Sitze, PO 112, SLD 66, Samoobrona 63, (die national-katholische) Liga Polnischer Familien (LPR) 45, Sozialdemokratie Polen (SdPl) 33. Eine PO-PiS-Koalition würde demnach mit insgesamt 253 Abgeordneten über eine solide Mehrheit im Parlament verfügen und könnte so eine Regierung ohne Unterstützung einer dritten Partei bilden. (APA)

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