Ronacher-Sanierung: Domenig befürchet "Probleme"

19. Juli 2005, 21:27
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Genehmigung für 34,1 Millionen Euro-teuren Umbau durch das Denkmalamt ist derzeit noch ausständig

Wien - Die "Chancen und Probleme" (so Intendantin Kathrin Zechner) des Wiener Ronacher, das bis Herbst 2007 zu einer vollwertigen Musiktheaterbühne ausgebaut werden soll, präsentierten am Dienstag Zechner und Architekt Günther Domenig bei einer Begehung des Hauses. Im Winter müsse mit dem Umbau, der eine drei Geschoße tiefe Unterbauung sowie einen Dachausbau vorsieht, spätestens begonnen werden, will man den vorgesehenen Wiedereröffnungs-Termin am 26. 10. 2007 einhalten, hieß es dabei. Eine Genehmigung durch das Denkmalamt ist derzeit noch ausständig.

Domenig befürchet "möglicherweise Probleme"

Während Domenig in dieser Hinsicht "möglicherweise Probleme" befürchtet, betont Zechner, dass das Denkmalamt von Beginn an eingebunden war und den Plan, den Domenig-Dachausbau der Original-Kubatur des Ronacher vor dessen Brand 1884 entsprechen zu lassen, wohlwollend zur Kenntnis genommen habe. Das Ronacher werde mit dem Domenig-Ausbau, der auf zwei zusätzlichen Stockwerken Räume für Proben und Orchester beinhalten wird, die Originalhöhe vor dem Brand erreichen.

Gefinkelte Konstruktion für das aufklappbare Dach

Der Dachausbau, der rund 25 Meter breit und 60 Meter hoch ist, wird ein aufklappbares Dach aufweisen. Eine gefinkelte Konstruktion ist dafür am Lusterboden nötig: Derzeit wird der Plafond des Zuseherraumes von Trägern hochgehalten, die ihrerseits am Dachstuhl hängen. Da die Dachkonstruktion für den Ausbau entfernt wird, muss eine zwei Meter hohe Trägerkonstruktion zwischengezogen werden, damit die Hängeträger an dieser angebracht werden können. Durch den Ausbau kann der derzeit ungenützte Raum unter dem Dachstuhl dann der vorgesehenen Verwendung zugeführt werden.

Schwachpunkte des Hauses

Bei der Führung durch das Ronacher wurde auf die derzeitigen Schwachpunkte des Hauses hingewiesen, die durch die Funktionssanierung beseitigt werden sollen: Die Bühnentiefe ist mit 15 Metern sehr gering, der Schnürboden hängt zu weit unter der ausreichend hohen Decke und wird von 15 auf 20 Meter hochverlegt. Auch die Eingänge entsprechen nicht den Notwendigkeiten eines Ganzjahres-Bühnenbetriebes: Kulissen müssen derzeit zerlegt werden und über eine steile "Elefantenleiter" (Zechner) auf die Bühne geschafft werden. Nun soll die Bühne nach hinten geöffnet werden, damit das Haus schneller und einfacher - und dadurch auch billiger - beladen werden kann. Die Bühne wird ebenso wie der Zuseherraum abgesenkt, um einerseits bessere Sichtverhältnisse, andererseits Lastwagenrampen-kompatible Ladehöhen zu ermöglichen.

Haus "augenscheinlich in gutem Zustand" - Belastungstests folgen

Nachdem der Generalmanager für den Bau in einer dieser Tage endenden Ausschreibung gefunden worden sein wird, werden die verbleibenden Amtswege offiziell eingeleitet, schilderte Zechner. "Wenn alle zusammenarbeiten", müsste sich der Baubeginn rechtzeitig ausgehen, meinte Architekt Gerhard Wallner, der mit Günther Domenig, Hermann Eisenköck und Herfried Peyker den Wettbewerb für den Ronacher-Umbau gewonnen hat. Zeitlich heikel seien vor allem die Tiefbauarbeiten, die Stahlkonstruktion des Dachausbaus hingegen weniger. Das Haus sei "augenscheinlich in gutem Zustand", weitere Belastungstests sollen folgen, so Wallner.

Domenig: Erfahrungen im Klagenfurter Stadttheater waren hilfreich

Domenig betonte, dass seine Erfahrung im Klagenfurter Stadttheater, wo er einen neuen Verwaltungs- und Werkstättentrakt gestaltete, beim Wettbewerbssieg geholfen habe. Den in den 1990er Jahren letztendlich nicht verwirklichten Umbauplan für das Ronacher von coop himmelb(l)au bezeichnete Domenig als "wunderbaren Traum" und "unwahrscheinlich schöne und mutige Lösung".

34,1 Millionen Euro-teurer Umbau

Die Kosten für den Umbau des Ronacher, das von den Vereinigten Bühnen Wien unter Zechners Intendanz mit Musical und Musiktheater bespielt werden wird, betragen 34,1 Mio. Euro. Weil sich die gewählte Finanzierung mittels Krediten aber über 15 Jahre erstreckt, müssen im Endeffekt 46,8 Mio. Euro von der Stadt Wien locker gemacht werden. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Hoffnungsvoller Blick zum Platz, wo zukünftig das Domenig-Dach, das Ronacher bekrönt.

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