MaturantInnen und die Qual der Wahl

23. März 2006, 13:10
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Arbeitseinstieg? Lehre? Uni? FH? Akademie? Kolleg? Die Orientierung im Angebotsdschungel ist nicht immer leicht. Wir haben uns bei Berufsberatern umgehört

"Ein Großteil der MaturantInnen, die sich jetzt bei uns informieren, kommen ohne klare Vorstellungen zu uns." Andreas Philipp von der Berufsinformation der Wiener Wirtschaft (BIWI) kennt die Schwierigkeit der Entscheidung, die man nach der Matura treffen muss – das berühmte tiefe Loch, in das man fällt. Diese Entscheidung fällt besonders schwer, wenn man die Möglichkeiten an Weiter- und Ausbildungen nicht kennt.

"Präventiv informieren"

"Wir würden uns wünschen, dass in an Sekundarschulen mehr über Weiterbildungsmöglichkeiten informiert werden würde", meint Philipp. Viele MaturantInnen würden sich für Fachhochschulen oder Kollegs interessieren, übersehen aber die Anmeldefristen, weil sie sich erst nach der Matura über weitere Möglichkeiten informieren, so Philipp. "Zwei Drittel der MaturantInnen, die sich bei uns informieren, kommen völlig unbedarft zum Beratungsgepräch. Um das zu verhindern, sollten Schulen längerfristig im Vorhinein informieren."

Infokampagne des BMBWK

Dieses Ziel verfolgt auch das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur (BMBWK) mit seiner Informationskampagne. Im Frühjahr 2005 gab es erstmals eine Initiative direkt an allen AHS und BHS in Österreich. Gerhard Krötzl von der Beratungsstelle des BMBWK: "Wir wollen die MaturantInnen flächendeckend frühzeitig für den Entscheidungsprozess sensibilisieren."

Seiner Erfahrung nach informieren sich zwar viele MaturantInnen schon im Frühjahr, aber es gibt immer wieder einige, die erst im September ohne konkrete Vorstellungen ihrer Ziele und Kenntnisse des Angebots zur Beratung kommen. "Deshalb wollen wir den Schulen Hilfestellung geben und ihnen zeigen, wie sie Informationen präventiv im Unterricht einbauen können."

"Hysterie ausgebrochen"

Diejenigen, die jetzt noch nicht wissen, was sie machen wollen, sollen trotzdem nicht in Panik ausbrechen, empfiehlt Brigitte Pezzei vom Studentpoint der Uni Wien. "Durch die Situation an der Medizin-Universität ist Unruhe ausgebrochen. Viele Maturanten fürchten Zugangsbeschränkungen in allen Fächern und melden sich daher früher an." Der - normalerweise erst im August und September - sehr hohe Andrang auf die Beratungsstellen ist dadurch heuer schon im Juli zu spüren. "Wir führen derzeit täglich ungefähr 60 Beratungsgespräche und beantworten zirka 200 Emails", so Pezzei.

Orientierungshilfen

Generell abraten von einer bestimmten Studienrichtung würde keiner der befragten Berater. Die angehenden Studierenden sollten aber in jedem Fall genau über Berufsaussichten und organisatorische Verhältnisse aufgeklärt werden. Außerdem werden ihnen alternative Wege zum Erreichen ihrer beruflichen Ziele und Wünsche gezeigt. Oft ist mangelnde Kenntnis der Angebote an Aus- und Weiterbildungen oder Berufen ausschlaggebend für falsche Entscheidungen.

Andreas Philipp vom BIWI: "Wir zeigen den MaturantInnen auch Alternativen zur Uni wie Fachhochschulen, Kollegs oder Lehrausbildungen. Fachhochschulen, zum Beispiel, sind derzeit stark im Trend, weil sie praxisorientiert arbeiten."

"unIorientiert"

Um auch Kurzentschlossenen noch eine Entscheidungshilfe bieten zu können, veranstaltet die Uni Wien die "unIorientiert" Projekttage von 5. bis 9. September 2005. Brigitte Pezzei: "Rund 100 Personen sind bereits angemeldet, ohne dass wir für die Veranstaltung bisher offensiv geworben haben. Bis Mitte August gibt es noch die Möglichkeit sich anzumelden. Das Programm soll den angehenden StudentInnen die Möglichkeit bieten "Uni-Luft zu schnuppern" und weniger bekannte Studienrichtungen in die Studienwahl einzubinden, wie z.B. Sprachwissenschaften." Die Aktion soll die Atmosphäre an den Instituten spürbar machen und den Studierenden bei der Orientierung an der Uni Wien helfen.

"Die administrativen Schritte sollte man so bald wie möglich erledigen", rät Pezzei. "Bevor man sich aber endgültig für eine Studienrichtung entscheidet, sollte man auf jeden Fall den Studienplan lesen und sich überlegen, ob das jeweilige Fach der richtige Weg ist um seine Ziele zu erreichen."

Von Sophie Preisch

"unIorientiert"
5. bis 9. September 2005
Anmeldung bis Mitte August
unIorientiert

Beratungsstellen:

Student Point
der Uni Wien


BIWI Beratungsstelle

key2success
BMBWK Aktion
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    foto: standard/cremer
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