Führungselite setzt auf Merkel

20. Juli 2005, 12:05
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Trotz Zweifeln an der Regierungsfähigkeit der Union - Umfrage: Schröder abgeschrieben

Berlin - Trotz erheblicher Zweifel an der Regierungsfähigkeit der Union setzt die deutsche Führungselite in Politik, Wirtschaft und Verwaltung voll auf CDU-Chefin Angela Merkel als künftige Bundeskanzlerin. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Dienstag in Berlin veröffentlichte Umfrage des Allensbacher Instituts für Demoskopie im Auftrag des Wirtschaftsmagazins "Capital". Bundeskanzler Gerhard Schröder haben die Top-Entscheider dieser Umfrage zufolge nach seinem Vorstoß für Neuwahlen abgeschrieben.

Auf die Frage "Wen würden Sie als Bundeskanzler vorziehen?" nannten 68 Prozent Merkel. Nur 27 Prozent votierten für Amtsinhaber Schröder. Dessen Entscheidung für vorgezogene Neuwahlen war für 67 Prozent eine "Kapitulation vor den Problemen", 59 Prozent bewerteten sie als "Kurzschlusshandlung". 81 Prozent prophezeiten Schröder als Folge davon sogar das Ende seiner politischen Laufbahn.

Union unvorbereitet

61 Prozent der Führungselite bezweifeln, dass die Union gut auf die Regierungsübernahme vorbereitet ist. Sogar 53 Prozent der Anhänger der Union und 66 Prozent der Anhänger ihres Wunsch-Koalitionspartners FDP haben diese Zweifel. 59 Prozent trauen einer unionsgeführten Regierung aber eine entschlossene Reformpolitik zu, während 40 Prozent auch hier skeptisch sind.

Merkel unter Druck

Die Umfrage ergab zudem, dass Merkel unter einem sehr hohen Erwartungsdruck seitens der Führungselite steht. 61 Prozent erhoffen sich von der Kanzlerkandidatin der Union eine "echte politische Zäsur", 76 Prozent fordern eine "radikale Reformpolitik", und 66 Prozent halten "tiefe Einschnitte in das soziale Netz für notwendig". Ebenso viele rechnen damit, dass es unter einer unionsgeführten Regierung "verstärkt zu heftigen gesellschaftlichen Kontroversen und Massenprotesten kommt". Auch deshalb halten es 90 Prozent für erforderlich, "dass sich die Politik verstärkt bemüht, politische Entscheidungen mit Werten zu begründen". 94 Prozent halten ein "langfristig ausgerichtetes Zukunftskonzept" für Deutschland für notwendig.

Schwarz-gelbe Koalition

53 Prozent der Elite bevorzugen als neue Bundesregierung eine schwarz-gelbe Koalition. 30 Prozent wünschen sich eine absolute Mehrheit für die Union, nur 16 Prozent sind für eine große Koalition. Wunschkandidaten für das Kabinett Merkel sind der CDU-Politiker Friedrich Merz als Finanzminister (74 Prozent), Bayerns Innenminister Günther Beckstein als Bundesinnenminister (54 Prozent), FDP-Fraktionschef Wolfgang Gerhardt als Außenminister (48 Prozent) und der frühere Siemens-Chef Heinrich von Pierer als Wirtschaftsminister (36 Prozent).

Zustimmung zu vorgezogenen Wahlen

Eine vorgezogene Neuwahl trifft bei 92 Prozent der Führungskräfte auf Zustimmung. 72 Prozent versprechen sich von einer unionsgeführten Regierung eine Aufbruchstimmung und 85 Prozent sogar eine Konjunkturbelebung. 73 Prozent der befragten Spitzenkräfte befürworten die für den Fall eines Wahlsieges angekündigte Erhöhung der Mehrwertsteuer, wenn sie zur Senkung der Sozialabgaben verwendet wird.

Für das seit Mai 1987 regelmäßig erhobene "Capital-Elite-Panel" werden jeweils rund 500 Top-Entscheider aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung telefonisch befragt, darunter Vorstandsvorsitzende großer Unternehmen, Direktoren, Ministerpräsidenten und Minister sowie Leiter von Bundes- und Landesbehörden. Die aktuelle Befragung wurde nach Angaben von Allensbach vom 28. Juni bis zum 12. Juli durchgeführt. (APA/AP)

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