Porträt: Karl Rove - Bushs "Spin doctor" in Bedrängnis

24. Juli 2005, 17:31
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Präsidentenberater soll die Identität der CIA-Agentin Valerie Plame enthüllt haben

Washington/Wien - Er gilt seit langem als einer der bekanntesten Verkörperungen des Begriffs "spin doctor": Karl Rove, langjähriger Politik-Berater von US-Präsident George W. Bush. Der rundliche und jovial wirkende 54-Jährige ist in der vergangenen Zeit allerdings in Bedrängnis gekommen: der Journalist Matthew Cooper hat kürzlich offiziell bestätigt, dass der Berater sein Informant für die Enthüllung der CIA-Agentin Valerie Plame gewesen war.

Der Name von Plame, die als verdeckte Geheimdienstmitarbeiterin über Massenvernichtungswaffen recherchiert hatte, war 2003 in die Medien gekommen, nachdem ihr Ehemann, der Diplomat Joseph Wilson, öffentlich Zweifel an den Angaben von US-Präsident Bush in dessen Rede zur Lage der Nation geäußert hatte, dass Niger und andere afrikanische Länder dem Regime von Saddam Hussein Uran verkauft hätten. Plames Ehemann hatte die Enttarnung seiner Frau als Racheakt der US-Regierung für seine regierungskritische Haltung gedeutet.

Laut dem Gesetz über den Schutz der Identität von Geheimdienstleuten (Intelligence Identities Protection Act) wird die Enthüllung von US-Geheimagenten je nach Art der Person, die die Enthüllung vornimmt, mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft. Es ist allerdings unklar, ob die Definitionen des Gesetzes auch Rove einschließen würden.

Dies ist aber nicht das erste Mal, dass Rove mit der Veröffentlichung von geheimen Informationen in Verbindung gebracht wird: es kursieren zahlreiche Geschichten über ihn, die ihn immer wieder mit nicht ganz legalen und unfairen Methoden in Verbindung bringen. Der am 25. Dezember 1950 in Denver Geborene arbeitete etwa 1992 an der Kampagne von George Bush sen. zum Präsidentenamt mit, soll jedoch gefeuert worden sein, nachdem er dem Journalisten Robert Novak Informationen weitergegeben haben soll. Darin ging es um die Entlassung eines Mitarbeiters von Bush nach einer gescheiterten Kampagne in Texas.

Aber bereits von Jugend an war Rove dafür bekannt, im Kampf gegen politische Gegner nicht immer faire Mittel zu gebrauchen. Im Jahr 1970 drang der damals erst 19-Jährige in das Büro von Alan Dixon, eines Kandidaten der Demokraten im Staat Illinois, ein, um mit dem dort gefundenen Briefpapier Flugblätter zu fälschen, die "Freibier, Gratisessen, Mädchen und eine gute Zeit umsonst" versprachen. Er selbst bezeichnete diese Aktion viele Jahre später als "Bubenstreich". Im darauffolgenden Jahr brach er sein Studium ab und widmete sich von da an ganz verschiedenen Aktivitäten bei den Republikanern.

Rove, der ab den frühen 80er Jahren in mehreren Kampagnen der Familie Bush gearbeitet hatte, führte Jahre später einen ähnlichen Coup wie den "Bubenstreich" von 1970 durch: in der Kampagne für die Vorwahlen von South Carolina 2000 wurden Gerüchte über John McCain, den innerparteilichen Rivalen von George W. Bush, verbreitet, laut denen dieser unter anderem der Vater eines unehelichen schwarzen Kindes sei. Da McCain während der Kampagne öfters mit seiner auf Bangladesch stammenden Adoptivtochter auftrat, trug Roves Aktion wohl ebenfalls dazu bei, dass McCain die Vorwahl verlor und schließlich nicht er, sondern Bush zum republikanischen Kandidaten bei den Präsidentenwahlen 2000 wurde.

Ob der Bush-Berater, der 2004 von der TV-Moderatorin Barbara Walters als "faszinierendste Person des Jahres" bezeichnet wurde, auch die Affäre um die Enthüllung von Valerie Plame politisch überleben wird, ist noch offen. Immerhin gilt der in zweiter Ehe verheiratete Vater eines 16-jährigen Sohnes aber als notorisches Stehaufmännchen, dem sein Durchhaltevermögen und seine Loyalität zur Familie Bush schon viele Anfeindungen zu überwinden geholfen haben. (APA)

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    Karl Rove mit Präsident Bush.

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