Algenseuche in Italien wird Justizfall

23. Juli 2005, 21:46
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Badeverbot in Genua wieder aufgehoben - Seuchengefahr besteht nur während der Blütezeit - weitere Badeorte werden untersucht

Genua - Nach der Algenseuche vor der Küste Genuas befürchtet man weitere Fälle dieser Art in Italien. In mehreren Regionen wurden Kontrollen in die Wege geleitet, um weitere übermäßige Konzentrationen der tropischen Alge "Ostreopsis ovata" aufzuspüren. "Die Seuchengefahr besteht während der Blütezeit der Alge, die zirka vier Tage lang dauert", berichtete der Experte Claudio Grillo.

Inzwischen wurde in Genua das Badeverbot aufgehoben. "Es besteht für die Badenden keine Gefahr mehr", erkärte Cecilia Brescianini von der Expertenkommission, die die Lage der Gewässer überprüft hat.

Seuche wird Justizfall

Die Algenseuche vor Genuas Küste wird jetzt auch zum Justizfall. Die Staatsanwaltschaft von Genua hat eine Untersuchung eingeleitet, um allfällige Verantwortliche für die Seuche auszuforschen. Fast 200 Badegäste mussten am Wochenende mit Vergiftungssymptomen - ausgelöst durch die Algen - im Krankenhaus behandelt werden.

Defekte Kläranlage Die Ermittler vermuten, dass wegen defekter Kläranlagen eine große Konzentration von Stickstoff und Phosphaten im Meer vor Genua entstanden sei und die Seuche begünstigt habe. Die Gemeindevertreter der ligurischen Hafenstadt dementierten aber entschieden, Probleme mit den städtischen Kläranlagen zu haben.

Giftstoffe durch Schiffe

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Fahrlässigkeit. Sie schloss auch nicht aus, dass Schiffe Stoffe ins Meer geschüttet haben könnten, die eine rasante Vermehrung der tropischen Alge Ostreopsis ovata begünstigt haben.

Touristen sagen Urlaub ab

Die Algenseuche hat den Tourismus der Gegend stark belastet. "Die Imageschäden sind groß. Mehrere ausländische Touristen haben ihren Urlaub in dieser Gegend abgesagt", betonte der Sprecher des Tourismusverbands von Genua.

Kaum Nachfrage nach Fisch

Die Lokale der Stadt klagten über starke Einnahmenverluste. "Niemand verlangt mehr Fisch, die Angst vor einer Vergiftung ist groß", sagte der Inhaber eines eleganten Restaurants entlang des Strandes von Bogliasco unweit von Genua. In den Fischereibetrieben ist der Verkauf von Meeresfrüchten stark zurück gegangen. Die Algenseuche vor der Küste Genuas droht die Sommersaison im Tourismusparadies Ligurien stark zu beeinträchtigen. Die Strände um die Hafenstadt sind seit dem vergangenen Wochenende trostlos leer. (APA)

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    Giftige Algen vertreiben Strandbesucher an Genuas Küste

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