Das Grid für jedermann

26. Juli 2005, 10:21
posten

Uni Graz mit größtem Computer-Cluster Österreichs

Um bei hochkomplexen Berechnungen möglichst schnell zu einem Ergebnis zu kommen, gibt es in der Informationstechnologie zwei Ansätze: Entweder man kauft sich einen sündteuren Supercomputer oder man macht sich ein Grid zunutze. Dabei werden viele Computer an verschiedenen Standorten in einem Netzwerk zusammengeschlossen, um jeweils ihre Prozessoren und Speicher für spezielle Rechenaufgaben oder Simulationen bereitzustellen.

Je nach Bedarf

Im Unterschied zu Großrechnern, bei denen die gesamte Rechenleistung und der Speicher nur von einem Rechenprozess genutzt werden kann, können bei den Computernetzen "à la Grid" die Ressourcen von unterschiedlichen Benutzern je nach Bedarf gemeinsam genutzt werden.

SETI@home

War dieser Ansatz vor Jahren noch mehr oder weniger auf Großprojekte wie etwa das Data-Grid des Kernforschungszentrums CERN oder das beinahe legendäre SETI@home (Search vor Extra Terrestrial Intelligence) beschränkt, nimmt Grid-Computing langsam, aber sicher Alltagsformen an.

"Mittlerweile gibt es das Grid für jedermann, die nötige Technologie dafür findet sich fast im Supermarkt nebenan, dazu gibt es lizenzfreie Open Source Software aus dem Internet", beschreibt Franz Lackinger von Sun Microsystems den Trend. Besonders gern gesehen wird diese Entwicklung im Bereich der universitären Forschung, wo einerseits ein hoher Bedarf an Rechenleistung besteht, gleichzeitig aber die finanziellen Ressourcen knapp bemessen sind.

145 Server

Eine dieser auch High Performance Computing bezeichneten Lösungen hat der Computerspezialist gemeinsam mit dem österreichischen IT-Dienstleister ACP erst jüngst an der Uni Graz realisiert. Dort nahm Anfang Juni der Zentrale Informatikdienst (ZID - gewissermaßen das Rechenzentrum der Uni) eine Sun Grid Computing Lösung bestehend aus 145 Servern in Betrieb, Lackinger zufolge eines der größten Server-Cluster des Landes. "Grob vereinfacht dargestellt entspricht das 500 Standard-PC", gibt er eine Vorstellung von der Rechenleistung des Grids (Grid - englisch für Gitter). Als Betriebssystemplattform wird Linux eingesetzt.

Simulationen und Berechnungen

Die einzelnen Universitätsinstitute melden ihren Rechenbedarf beim ZID an, der das System verwaltet und die Ressourcen vergibt. Die Enduser, im Fall der Uni Graz die Institute der naturwissenschaftlichen Fakultät, können dann auf das Grid zugreifen und ihre Simulationen und Berechnungen (Visualisierungen, molekulare Analysen etc.) darauf laufen lassen. Abgerechnet wird dann die tatsächlich verbrauchte Rechenleistung.(Karin Tzschentke/DER STANDARD, Printausgabe vom 19.07.2005)

Share if you care.