Musharraf: Anschläge "haben mit Islam nichts zu tun"

20. Juli 2005, 11:26
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Pakistanischer Staatschef verurteilt Anschläge - Einige Koranschulen haben Verbindungen zu Militanten

Islamabad - Pakistans Präsident Pervez Musharraf hat die Londoner Anschläge am Montag als unislamisch verurteilt und einigen Koranschulen im eigenen Land Verbindungen zu Extremisten vorgeworfen. Nichts im Koran rechtfertige die Anschläge vom 7. Juli, sagte Musharraf vor Jugendlichen in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad.

"Bombenanschläge in London im Namen des Islam zu verüben, hat mit dem Islam nichts zu tun", sagte er und warf militanten Gruppen vor, anderen Menschen ihre Weltanschauung aufzuzwingen. Bei der Anschlagsserie in Großbritannien vor mehr als einer Woche waren mindestens 55 Menschen getötet und hunderte verletzt worden.

Koranschulen verwickelt

Zugleich nahm Musharraf die Koranschulen ins Visier. "Ja, heutzutage sind manche dieser Koranschulen an Extremismus und Terrorismus beteiligt", sagte er in Anspielung auf Vorwürfe, Koranschulen in Pakistan hätten die Attentäter von London möglicherweise inspiriert. Musharraf selbst wurde wiederholt vorgeworfen, diese Schulen nicht streng genug zu kontrollieren. Ihnen werden Kontakte zu verbotenen extremistischen Gruppierungen, wie etwa Jaish-e-Mohammad (Mohammeds Armee) und Sipah-e-Sahaba (Soldaten von Mohammeds Gefährten) nachgesagt.

In den vergangenen Tagen waren bei Razzien in Pakistan fünf mutmaßliche Extremisten festgenommen worden. Ein Geheimdienstvertreter sagte, noch werde geprüft, ob die Verdächtigen in Verbindung zu den Londoner Anschlägen stünden. Allerdings stehe einer der Festgenommenen - ein mutmaßlicher Bombenexperte von Jaish-e-Mohammad - auch im Verdacht, an Attentatsplänen auf Musharraf im Jahr 2003 beteiligt gewesen zu sein.

Briten pakistanischer Herkunft verdächtigt

Unter den Verdächtigen für die Londoner Anschläge sind drei Briten pakistanischer Herkunft und ein in Jamaika geborener Brite. Bisher hieß es von den pakistanischen Behörden, die drei Männer pakistanischer Herkunft hätten ihr Heimatland vor rund einem Jahr besucht. Einer von ihnen habe auch Koranschulen in Pakistan aufgesucht. Musharraf wollte sich zu den Berichten und den jüngsten Festnahmen voraussichtlich in dieser Woche äußern.

Unterdessen bestätigte die israelische Regierung einen Bericht der Zeitung "Maariv". Danach soll einer der mutmaßlichen Attentäter von London 2003 an den Planungen für einen palästinensischen Selbstmordanschlag von zwei Briten pakistanischer Herkunft in Tel Aviv beteiligt gewesen sein. Offiziell wurde dies jedoch nicht bestätigt.

(APA/Reuters)

  • Musharraf: "Bombenanschläge in London im Namen des Islam zu verüben, hat mit dem Islam nichts zu tun",
    foto: epa/mark graham

    Musharraf: "Bombenanschläge in London im Namen des Islam zu verüben, hat mit dem Islam nichts zu tun",

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