Polanski als virtueller Gerichtszeuge

22. Juli 2005, 22:28
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"Vanity Fair" behauptete 1969 er habe mit einer "schwedischen Schönheit" poussiert, während seine Frau Sharon Tate ermordet wurde - Regisseur lässt sich per Video nach London zuschalten

London - Vor einem Londoner Gericht hat am Montag der Verleumdungs-Prozess des französischen Filmregisseurs Roman Polanski gegen den Condé-Nast-Verlag begonnen. Weil sich Polanski wegen eines internationalen Haftbefehls weigert, nach Großbritannien zu reisen, wird er per Videoleitung aus Frankreich zugeschaltet. In dem Verfahren geht es um einen Bericht des Magazins "Vanity Fair" vom Juli 2002. Darin wurde behauptet, Polanski habe im Sommer 1969 in einem New Yorker Restaurant mit einer "schwedischen Schönheit" angebandelt, während seine hochschwangere Frau Sharon Tate in Kalifornien ermordet wurde.

Der Prozess ist auf fünf bis acht Verhandlungstage angesetzt. Die Schauspielerin Mia Farrow will darin zu Gunsten Polanskis aussagen. Der 71-Jährige fürchtet, bei einer Reise nach Großbritannien an die USA ausgeliefert zu werden. Polanski war dort 1978 wegen Verführung und Vergewaltigung einer Minderjährigen verurteilt worden. Um einer Gefängnisstrafe zu entgehen, floh er damals von Los Angeles nach Paris; seitdem hat Polanski die USA nicht mehr betreten. So konnte er vor zwei Jahren auch den Oscar für das Holocaust-Drama "Der Pianist" nicht persönlich entgegen nehmen. Weil er französischer Staatsbürger ist, darf ihn Frankreich nicht ausliefern. (APA)

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