Die "Jugend" dehnt sich zeitlich immer weiter aus - Lebensstil-Pioniere richten ihr Handeln nach Kriterien der Nachhaltigkeit aus
Die Verbindung zwischen Jugend und Nachhaltigkeit liegt auf der Hand, denn ihre Chancen stehen im Mittelpunkt der Nachhaltigkeitsidee. Das Jugendalter erstreckt sich heute über einen immer längeren Zeitraum zwischen dem Kindesalter und dem Erwachsenenalter. Die Bestimmungsmomente für eine Eingrenzung des Jugendalters verschwimmen zunehmend, da eine zeitliche Ausdehnung (Post-adoleszenz) wie auch eine zeitliche Vorverlagerung (Prä-adoleszenz) der Jugendphase zu beobachten ist.
Die Welt der Jugendlichen
Die Jugend steht für Rebellion und die Entwicklung einer eigenen Persönlichkeit. Trotz Rebellion übernehmen Jugendliche aber tendenziell die Werte ihrer Eltern; sie übernehmen einzelne ethische Standpunkte sogar weitgehend unreflektiert. Daher ist bei der Realisierung eines nachhaltigen Lebensstils die soziale Herkunft und die Familie von großer Bedeutung.
Die österreichische Jugend – Wertestudie 1999/2000 ( --> Österreichisches Institut für Jugendforschung) fasst zusammen, was 16- bis 24jährige als wichtig empfinden: Der Wunsch nach Selbstverwirklichung entspricht dabei unserer stark individualisierten Gesellschaft. Unter den Jugendlichen ist die Bedeutung der schützenden Beziehungen (Familie, Freunde oder gesellschaftliche Institutionen) angestiegen. Bei einer ungebrochen hohen Bedeutung der Familie sind die Freunde in den letzten 10 Jahren wichtiger geworden. Junge Menschen sind sehr aktiv - sie beteiligen sich auch sehr gerne an (basis-)demokratischen Aktivitäten. Für traditionelle Politik haben sie aber nicht viel übrig – die wird eher abgelehnt.
Zusammengefasst wird die Werthaltung der Jugendlichen als eine "relativ postmaterialistisch geprägte Zukunftshaltung". Die Prioritäten reihen sich folgendermaßen: Persönliche Entfaltung (78 %), mehr Wert auf Familienleben (73 %), einfacher und natürlicher leben (62 %) und der Wunsch, dass man weniger Wert auf Geld und Besitz legen sollte (49 %). Man spricht von einer Widersprüchlichkeit im Zugleich von materiellen und postmateriellen Werten. Es zeigt sich ein "additiver" Wertewandel bei Jugendlichen: Sie sind Pragmatiker und Realisten und wollen auf Wohlstand nicht mehr verzichten.
Der Partizipation kommt in der nachhaltigen Entwicklung ein hoher Stellenwert zu. Beteiligungsprojekte mit Jugendlichen sind auf der Website www.jugendbeteiligung.cc zusammengefasst.
Damit Jugendliche zu Katalysatoren einer nachhaltigen Entwicklung werden, reicht eine theoretische Vermittlung alleine nicht aus. Erleben und Erproben sind von großer Bedeutung. Persönliche Betroffenheit und emotionale Berührung bewegen!
Nachhaltigkeit und Jugend ist
Thema des Monats Juli 2005 im Internetportal
Die AutorInnen:Marianne Schrötter, Judith Feichtinger und Michael Ornetzeder, Zentrum für Soziale Innovation
Direkt-Link zum Monatsthema 7/2005 (mit Text-Vollversion und weiterführenden Informationen)