Handlungschancen zukünftiger Generationen

18. Juli 2005, 20:28
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Die "Jugend" dehnt sich zeitlich immer weiter aus - Lebensstil-Pioniere richten ihr Handeln nach Kriterien der Nachhaltigkeit aus

Die Verbindung zwischen Jugend und Nachhaltigkeit liegt auf der Hand, denn ihre Chancen stehen im Mittelpunkt der Nachhaltigkeitsidee. Das Jugendalter erstreckt sich heute über einen immer längeren Zeitraum zwischen dem Kindesalter und dem Erwachsenenalter. Die Bestimmungsmomente für eine Eingrenzung des Jugendalters verschwimmen zunehmend, da eine zeitliche Ausdehnung (Post-adoleszenz) wie auch eine zeitliche Vorverlagerung (Prä-adoleszenz) der Jugendphase zu beobachten ist.

Die Welt der Jugendlichen

Die Jugend steht für Rebellion und die Entwicklung einer eigenen Persönlichkeit. Trotz Rebellion übernehmen Jugendliche aber tendenziell die Werte ihrer Eltern; sie übernehmen einzelne ethische Standpunkte sogar weitgehend unreflektiert. Daher ist bei der Realisierung eines nachhaltigen Lebensstils die soziale Herkunft und die Familie von großer Bedeutung.

Die österreichische Jugend – Wertestudie 1999/2000 ( --> Österreichisches Institut für Jugendforschung) fasst zusammen, was 16- bis 24jährige als wichtig empfinden: Der Wunsch nach Selbstverwirklichung entspricht dabei unserer stark individualisierten Gesellschaft. Unter den Jugendlichen ist die Bedeutung der schützenden Beziehungen (Familie, Freunde oder gesellschaftliche Institutionen) angestiegen. Bei einer ungebrochen hohen Bedeutung der Familie sind die Freunde in den letzten 10 Jahren wichtiger geworden. Junge Menschen sind sehr aktiv - sie beteiligen sich auch sehr gerne an (basis-)demokratischen Aktivitäten. Für traditionelle Politik haben sie aber nicht viel übrig – die wird eher abgelehnt.

Zusammengefasst wird die Werthaltung der Jugendlichen als eine "relativ postmaterialistisch geprägte Zukunftshaltung". Die Prioritäten reihen sich folgendermaßen: Persönliche Entfaltung (78 %), mehr Wert auf Familienleben (73 %), einfacher und natürlicher leben (62 %) und der Wunsch, dass man weniger Wert auf Geld und Besitz legen sollte (49 %). Man spricht von einer Widersprüchlichkeit im Zugleich von materiellen und postmateriellen Werten. Es zeigt sich ein "additiver" Wertewandel bei Jugendlichen: Sie sind Pragmatiker und Realisten und wollen auf Wohlstand nicht mehr verzichten.

Der Partizipation kommt in der nachhaltigen Entwicklung ein hoher Stellenwert zu. Beteiligungsprojekte mit Jugendlichen sind auf der Website www.jugendbeteiligung.cc zusammengefasst. Damit Jugendliche zu Katalysatoren einer nachhaltigen Entwicklung werden, reicht eine theoretische Vermittlung alleine nicht aus. Erleben und Erproben sind von großer Bedeutung. Persönliche Betroffenheit und emotionale Berührung bewegen!
Nachhaltige Lebensstile

Nachhaltiges Lernen ist praktisches Lernen, das Lernen an positiven Beispielen, Erfahrungen Sammeln und ressourcenschonender Umgang mit der Umwelt. Durch praktisches Lernen im Alltag gewinnen Lernprozesse an Glaubwürdigkeit, und bezogen auf konkrete Lebenssituationen werden Fähigkeiten vermittelt, die sich auf unterschiedlichste Bereiche (Freizeit, Konsum, etc.) übertragen lassen. Wichtige Aspekte einer nachhaltigen Bildung sind neben den Umweltaspekten auch die sozialen, regionalen, partizipativen, (inter)kulturellen und global-ethischen Aspekte.

Ein pädagogisches Nachhaltigkeitskonzept ist das "globale Lernen". Dabei handelt es sich weniger um eine Art zu lernen, als um eine Art zu denken, welche durch die zunehmende Globalisierung notwendig wird. Die Konsequenzen des Handelns werden über das eigene Lebensumfeld hinaus relevant. Bei der Bildung für nachhaltige Entwicklung geht es neben der Verbreitung von konkretem Umweltwissen auch darum, eine Verantwortungsethik zu vermitteln. Lokales Handeln erhält eine globale Perspektive: "think globally – act locally". Ein solches Handeln erfordert Reflexion und vernetztes Denken.

Wenn Jugendliche ihr Handeln an den Kriterien der Nachhaltigkeit ausrichten, werden sie Lebensstil-Pioniere genannt. Die Diskrepanz zwischen Wissen, Einstellungen und Verhalten in Bezug auf Nachhaltigkeit ist minimal oder nicht mehr vorhanden. Diese Menschen leben einen ökologisch und sozial besser verträglichen Lebensstil. Das Handeln der LebensstilpionierInnen ist intrinsisch (= von innen her kommend) motiviert. Es befriedigt sie, an ein Problem, eine Tätigkeit, eine Kommunikation oder eine soziale Aufgabe selbstbestimmt heranzugehen. Sie sind dabei von dem Interesse geleitet, in der Sache aufzugehen und sich an ihr zu bewähren. Sie erfahren in diesem produktiven Tun den Sinn der eigenen Existenz.

Praktische Beispiele und Interviews (auch zum Anhören) ergänzen das Monatsthema auf Nachhaltigkeit.at.

Nachhaltigkeit und Jugend ist Thema des Monats Juli 2005 im Internetportal

Logo: Nachhaltigkeit.at
Eine Initiative des Lebensministeriums



Die AutorInnen:

Marianne Schrötter, Judith Feichtinger und Michael Ornetzeder, Zentrum für Soziale Innovation

Direkt-Link zum Monatsthema 7/2005
(mit Text-Vollversion und weiterführenden Informationen)
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    foto: photodisc
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