Fischer und Struck: Deutschland vor Anschlägen nicht gefeit

20. Juli 2005, 11:26
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Gefahr extremistischer Anschläge dürfe nicht unterschätzt werden

Berlin - Außenminister Joschka Fischer und Verteidigungsminister Peter Struck haben davor gewarnt, die Gefahr extremistischer Anschläge in Deutschland zu unterschätzen. Sie schlossen sich zugleich der Einschätzung von Bundesinnenminister Otto Schily an, wonach sich auch die Bundesrepublik möglicherweise im Visier entsprechender Tätergruppierungen befindet.

"Bisher "einfach Glück gehabt"

Dass Deutschland bisher verschont worden sei, hänge mit dem Nein der rot-grünen Koalition zum Irak-Krieg zusammen, "aber auch mit der Tatsache, dass wir einfach Glück gehabt haben", sagte Struck der Kölner Zeitung "Express" vom Dienstag. "Es sollte sich niemand der Illusion hingeben, dass wir eine Insel des Friedens sind", fügte der SPD-Politiker hinzu. Fischer sagte, die Annahme, Deutschland sei vor Anschlägen wie kürzlich in London gefeit, weil es nicht am Irak-Krieg teilgenommen habe, sei "Unfug". "Die Täter sind vom Hass erfüllt, die werden keinen Unterschied machen", sagte der Grünen-Politiker "Spiegel Online". Auch Schily hatte stets betont, Deutschland sei Teil eines internationalen Gefahrenraums.

Polizisten für den Irak

Struck verwies darauf, dass Deutschland Polizisten für den Irak ausbilde. "Das könnte diejenigen, die den Irak-Krieg zum Anlass genommen haben, einen Feldzug gegen die westliche Kultur zu führen, natürlich auch motivieren, uns anzugreifen", sagte er. Vor Selbstmordattentätern könne man sich nur sehr schwer schützen. Fischer betonte, der Terror von Al-Kaida-Chef Osama Bin Laden ziele auf die "offene, zivile Gesellschaft und auf unsere Grundwerte". Der Dschihad-Terrorismus bediene sich modernster Strukturen. Das Nein der Regierung zum Irak-Krieg sei aber richtig gewesen.

Lage in Afghanistan

Laut Verteidigungsminister Struck ist damit zu rechnen, dass die Lage in Afghanistan in den nächsten Wochen instabiler werden könnte. Daher wolle er dem Bundestag vorschlagen, das Kontingent deutscher Soldaten von 2250 auf 3000 Soldaten auszuweiten. Vergangene Woche hatte das Verteidigungsministerium bereits bestätigt, dass eine Erhöhung der Einsatzstärke der Bundeswehr auf etwa 3000 Mann angestrebt werde. Möglicherweise wird über die Ausweitung der Bundestag in einer Sondersitzung entscheiden. Die Bundeswehr ist an der internationalen ISAF-Truppe in der afghanischen Hauptstadt Kabul beteiligt und hat Aufbauteams in dem Land. (Reuters)

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