K(T)opf des Tages: EuroMillionen - Der große Jackpot mit der kleinen Chance

29. Juli 2005, 15:55
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Wenn am kommenden Freitagabend in Paris sieben Kugeln aus zwei Trommeln purzeln, werden in neun Staaten Millionen Spieler hoffen, um 96 Millionen Euro reicher zu werden

Das Geld hat Europa vereinigt. Zumindest im Glücksspielbereich. Denn wenn am kommenden Freitagabend in Paris sieben Kugeln aus zwei Trommeln purzeln, werden in neun Staaten Millionen Spieler hoffen, um 96 Millionen Euro reicher zu werden - dieser Rekordbetrag liegt nämlich bei der EuroMillionen genannten Lotterie im Jackpot.

Seit Februar 2004 ignorieren Franzosen, Spanier und Engländer die Wahrscheinlichkeitsrechnung (die Chance auf den Hauptgewinn liegt bei eins zu 76,3 Millionen), am 2. Oktober 2004 konnten erstmals auch Österreicher fünf plus zwei Zahlen ankreuzen. Weitere Mitspielländer sind Irland, Portugal, Belgien, Luxemburg und die Schweiz.

In ihrer noch recht kurzen Geschichte haben die EuroMillionen aber schon einige Möglichkeiten zum Mitzittern gegeben. Heuer tippte beispielsweise zwischen 18. Februar und 1. April niemand die richtigen Zahlen. Die Folge: Am 8. April ging es um 64 Millionen Euro, die schließlich ein in der Schweiz lebender 38-jähriger Portugiese gewann.

Gewinn für den Finanzminister

Ein Gewinn ist das Spiel auf jeden Fall für die Österreichischen Lotterien beziehungsweise den Finanzminister, wenngleich die Popularität noch weit hinter dem klassischen "6 aus 45" liegt. Laut Lotterien-Bilanz investierten die Österreicher im Vorjahr durchschnittlich 1,7 Millionen Euro pro Woche in die EuroMillionen, während es Mittwochs- und Sonntagslotto gemeinsam auf wöchentlich 12,3 Millionen Euro Einsatz brachten.

Der 96-Millionen-Jackpot wird zwar die Spielleidenschaft anfachen, im internationalen Vergleich ist er dennoch nicht soooo berauschend. Wer ans wirklich große Geld kommen will, sollte in den USA sein Glück versuchen. Dort wurde im Jahr 2000 der "Big Game"-Pot geknackt, umgerechnet 301 Millionen Euro verteilt. Der größte US-Einzelgewinn bisher: umgerechnet 261 Millionen Euro. Gewonnen übrigens im Bundesstaat West-Virginia und nicht im 1959 gegründeten 1500-Einwohner-Ort "Jackpot" in Nevada, aus dem überhaupt keine großen Lotto-Gewinne überliefert sind.

Ursprung

Wobei der Jackpot ursprünglich gar nichts mit dem Lotto zu tun hat. Der Begriff stammt von einer Variante des Draw-Poker. Dabei setzt jeder seinen Grundeinsatz, danach werden die Karten verteilt. Der Geber fragt reihum, ob einer der Spieler ein Paar Buben (auf Englisch "Jacks") oder etwas Besseres hält. Ist das nicht der Fall, bleibt der Einsatz im Topf (Englisch "pot"), die neuen Einsätze kommen dazu - und die Prozedur wiederholt sich. So gesehen eigentlich ein Glück, dass nicht mit Schnapskarten gepokert wird. Denn dort entspricht der "Bube" dem "Unter" - und am Freitag auf den Gewinn eines Untertopfs zu hoffen wäre irgendwie weniger spektakulär. (Michael Möseneder, DER STANDARD-Printausgabe, 19.07.2005)

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