Das heimliche Comeback der großen Nager

25. Juli 2005, 12:59
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Heute leben in Österreich wieder 1500 Biber - etwa in der Lobau

Wien - Europas größtes Nagetier, der Europäische Biber (Castor fiber) feiert seit wenigen Jahrzehnten in Mitteleuropa ein bemerkenswertes Comeback - eine Erfolgsstory, von der auch andere Tier- und Pflanzenarten profitieren.

Im 20. Jahrhundert stand der Biber, hauptsächlich durch intensive Bejagung, in ganz Europa vor dem Aussterben. Strenge Schutzmaßnahmen und gezielte Wiedereinbürgerungen in den 1970er-Jahren jedoch führten vielerorts zu einer Erholung der Bestände. In Österreich schätzt man den Bestand derzeit auf maximal 1500 Tiere.

Mit einer Körperlänge von bis zu 1,30 Meter und einem Gewicht von bis zu 30 kg haben erwachsene Biber keine natürlichen Feinde. Sie besiedeln vegetationsreiche Ufer von Flüssen und Seen mit einem hohen Anteil an Pappeln und Weiden - dementsprechend liegt einer der heimischen Verbreitungsschwerpunkte in der Wiener Lobau sowie den niederösterreichischen Donau- und den March-Thaya-Auen.

Ihre Nahrung sind ausschließlich Pflanzen, und je nach deren Verfügbarkeit kann das Revier einer Biberfamilie 500 Meter bis mehrere Kilometer Ufer umfassen. Wo Biber einen geeigneten Lebensraum finden, mischen sie gehörig bei dessen Gestaltung mit: Sinkt der Wasserstand ihrer Wohngewässer zu stark, stauen sie das Wasser mithilfe von Dämmen aus Baumstämmen, Ästen und Lehm auf die gewünschte Höhe von 50 - 100 cm. Zu diesem Zweck kann ein Biber in einer einzigen Nacht einen Baum mit 40 cm Stammdurchmesser fällen. Diese Aktivitäten verbessern jedoch nicht nur den Lebensraum der Biber selbst. So findet die einzige heimische Schildkröte, die Sumpfschildkröte (Emys orbicularis), auf den gefällten Stämmen sichere Sonnenbadeplätze. Der durch Uferverbauungen stark reduzierte Wels (Silurus glanis) nutzt alte Biberbauten als Laichplätze. Im Unterschied zu den Zeichen ihrer Aktivitäten bekommt man die nachtaktiven Nager in freier Natur kaum jemals zu Gesicht. In der 2004 eröffneten Biber-Freianlage beim Lobaumuseum in der Oberen Lobau in Wien jedoch kann man die beiden Biber-Findelkinder Flumy und Arnie in ihrer natürlichen Umwelt beobachten - bevorzugt vor Sonnenuntergang. (Susanne Strnadl/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19. 7. 2005)

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