Die Liebe, der größte Bolschewik

18. Juli 2005, 19:27
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"Eva" beim Lehár-Festival in Bad Ischl

Franz Lehárs Operette "Eva" wurde infolge der Uraufführung 1911 zum Propagandamittel der Sozialdemokratie hochstilisiert. Heute ist das schwer nachzuvollziehen. Dass die Titelheldin ein Arbeitermädchen ist und die Operette z. T. in einer Fabrik spielt, mag revolutionär gewesen sein. Revolution gemacht wird nicht: Der Zorn der Arbeiter richtet sich erst gegen den neuen Chef-Schnösel aus Paris, als dieser sich das Werkführerkind Eva schnappt. Eva brennt unter der Führung der liebenswürdig-heiratswütigen Kokotte Pipsi nach Paris durch und wird zur umschwärmten Lebedame.

Evas Schwanken zwischen Vergnügungssucht und Hoffnungslosigkeit ist in der Musik klug instrumentiert nachgezeichnet und spiegelt sich im Gegensatz von großen Arien und Duetten sowie billigen Gassenhauern.

Regisseur Leonard C. Prinsloo hat "Eva" beim Lehár-Festival Bad Ischl als flotte Revue mit Leoparden-Dirndln (Kostüme: Monika Biegler und Devi Saha) konzipiert. Das Bühnenbild von Friedrich Despalmes besteht aus multipel verwendbaren Bühnenelementen (Schreibtisch, Bar, Divan).

Morenike Fadayomi ist eine Eva mit starker Ausstrahlung, Reinhard Alessandri als Chef Octave überzeugt mit sicheren Höhen und wohl dosiertem Schmelz. Dem Intendanten Michael Lakner ist ein Operettenabend zu danken, der nicht nur eine Repertoirekenntnis-Lücke schließt, sondern das Publikum zufrieden entlässt. (klaba/DER STANDARD, Printausgabe, 19.07.2005)

Lehár-Festival
Bad Ischl
06132/238 39
Bis 28. 8.
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