Lutz haut in Deutschland auf den Putz

31. Juli 2005, 18:38
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Mit der zweiten Großübernahme hat sich Möbelhändler Lutz in kurzer Zeit zur weltweiten Nummer zwei aufgeschwungen

Wien/Wels - Die Möbelgruppe Lutz mit Sitz im oberösterreichischen Wels hat das jahrelang sehr emotional geführte Match gegen Hauptkonkurrenten Kika/Leiner vorerst klar für sich entschieden.

Nach einer Großakquisition im März, bei der der deutsche Möbeldiskonter Domäne mit einem Umsatz von rund 300 Millionen Euro übernommen wurde, folgte nun der zweite Paukenschlag in Deutschland.

Lutz übernimmt rückwirkend per 1. Juli die rund um Karlsruhe beheimatete Mann Mobilia GmbH, ein Traditions-Einrichtungshaus mit demnächst sieben Filialen, 1600 Mitarbeitern und rund 360 Millionen Euro Umsatz.

2,1 Milliarden Euro Umsatz

Der Umsatz der Lutz-Gruppe, die im Gegensatz zu Kika/Leiner bisher vor allem in Deutschland expandierte und eben nicht auf Osteuropa setzt, steigt insgesamt auf 2,1 Milliarden Euro - bei rund 11.600 Mitarbeitern.

Nach Unternehmensangaben hat man damit nicht nur Kika/Leiner am Heimmarkt Österreich abgehängt, sondern ist vor allem zur weltweiten Nummer zwei hinter Branchendominator Ikea (Umsatz jenseits der zehn Mrd. Euro) aufgestiegen.

Nummer drei beim weltweiten Möbeleinzelhandelsumsatz sei nun die französische Conforma-Gruppe, die aber neben der Möbelsparte auch im Elektro-/Elektronikbereich stark engagiert sei.

"Verdammt starker Gegner"

Lutz-Unternehmenssprecher Thomas Saliger sagte dem STANDARD: "Wir wollen die Nummer eins weltweit werden, haben aber einen verdammt starken Gegner. Aktuell haben wir keine weitere Akquisition im Visier, aber es kann sich immer ein Schnäppchen ergeben."

Ob die badische Mann Mobilia GmbH, die 1950 ihr erstes Möbelhaus eröffnete, ein Schnäppchen war und der kolportierte Kaufpreis von 200 Mio. Euro stimmt, wollte Saliger nicht kommentieren.

Die Expansionsrichtung Deutschland erklärt er so: "Die Deutschen sind beim Möbelkauf pro Kopf noch vor den Österreichern Weltmeister. Ein Viertel des europaweiten Möbelgesamtumsatzes wird in Deutschland gemacht. Osteuropa ist von der Kaufkraft her in Wahrheit noch überhaupt kein Markt für uns. Da muss man die Kirche einfach im Dorf lassen."

Abgeflachte Expansion

Was den österreichischen Markt betrifft, sagt RegioPlan-Chef und Handelsberater Wolfgang Richter, ist hier angesichts einer längerfristig rückläufigen Umsatztendenz "die Expansion abgeflacht".

Im Vorjahr sei im Möbelhandel "erstmals seit Jahren" wieder ein Umsatzplus von 2,6 Prozent erzielt worden, aber nicht mit den eigentlichen Möbeln, sondern im Dekorations- und Accessoire-Geschäft (z. B. Geschirr, Spielwaren etc.)

Richter bezweifelt übrigens, dass Lutz Kika/Leiner in Österreich überholt hätte, seine Daten zeigen ein anderes Bild, auch ertragseitig. Da führe Ikea vor Kika/Leiner und Lutz. Doch: "Das ist alles spekulativ. Ganz genau weiß niemand, was die für Umsätze machen." (Michael Bachner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.07.2005)

  • Familie Putz - Werbeaushängeschild der fast gleichnamigen Möbelkette - findet die groß angelegte Expansion nach Deutschland super.
    foto: xxxlutz

    Familie Putz - Werbeaushängeschild der fast gleichnamigen Möbelkette - findet die groß angelegte Expansion nach Deutschland super.

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