Klagenfurt: Heftige Debatte über Kürzung bei Nachtdiensten am Landeskrankenhaus

19. Juli 2005, 21:00
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Ärztekammer und Betriebsrat warnen vor untragbaren Zuständen - Direktorium weist Vorwürfe zurück und spricht von "Panikmache"

Klagenfurt - Heftige Proteste der Betroffenen haben neue Dienstpläne für mehrere Abteilungen des Landeskrankenhauses Klagenfurt ausgelöst. Ärztekammer und Betriebsrat warnen vor "untragbaren Zuständen" durch eine Verringerung der ärztlichen Präsenz in den Nachtstunden. Gesundheitsreferent LHStv. Peter Ambrozy (S) forderte eine Überprüfung, das Direktorium wies die Vorwürfe zurück.

An den Abteilungen für Kinderchirurgie, Orthopädie und im Zentrum für seelische Gesundheit soll ab 1. August die Zahl der Dienst habenden Ärzte in der Nacht reduziert werden. Wie Ärztekammerpräsident Othmar Haas bei einem Pressegespräch am Montag in Klagenfurt erklärte, sei damit eine ordentliche Versorgung der Patienten akut gefährdet. Haas: "In der Psychiatrie sollen künftig nur noch zwei Fachärzte zehn Stationen mit mehr als 200 Patienten versorgen." Gerade auf dieser Abteilung komme es immer wieder zu Krisensituationen. Früher habe es vier Fachärzte im Nachtdienst gegeben, zwei seien auf jeden Fall zu wenig.

Schichtbetrieb

In der Kinderchirurgie soll laut Dienstanweisung des medizinischen Direktors Thomas Koperna künftig nur noch ein Mediziner im Nachtdienst da sein. Zudem soll in dieser Anweisung die Diensteinteilung auf Schichtbetrieb umgestellt werden. Dies bedeutet laut Haas, dass tagsüber weniger Ärzte auf der Station seien. Zentralbetriebsrat Arnold Auer kritisierte, es sei nicht zulässig, von einem Tag auf den anderen einen völlig neuen Dienstbetrieb zu verordnen.

Auer: "Das Ziel ist eindeutig, die ärztliche Präsenz zu vermindern. Wenn das das viel gepriesene 'LKH neu' sein soll, dann können wir darauf verzichten." Auch Ärztebetriebsrat Dietmar Alberer, Internist an der Zweiten Medizinischen Abteilung des LKH, will die Pläne der Direktion nicht kampflos hinnehmen. In einem ersten Schritt werden Betriebsversammlungen einberufen. Zudem soll das Arbeitsgericht angerufen werden. Haas meinte, es sei zwar ein Armutszeugnis für die Gesundheitspolitik, dass man ständig die Gerichte anrufen müsse, doch bleibe keine andere Wahl. So hätte die Direktion die geltende Betriebsvereinbarung für die Augenabteilung einfach gekündigt, sei damit aber bei Gericht abgeblitzt.

Ambrozy betonte in einer Reaktion, die Versorgungssicherheit im LKH dürfe "unter keinen Umständen angetastet" oder beeinträchtigt werden. Er habe daher eine "umfassende und sofortige Überprüfung" vom Direktorium der Krankenanstalten-Betriebsgesellschaft gefordert.

Direktorium: "Versorgung absolut gesichert"

Das LKH-Direktorium wies am Nachmittag die Vorwürfe zurück. Die Versorgung der Patienten sei "absolut gesichert", hieß es in einer Aussendung, es werde eine "verantwortungslose Panikmache" betrieben. Die kritisierte Dienstanweisung für die Kinderchirurgie sei unter "ultimativem Druck des Arbeitsinspektorates" entstanden, da es für diese Abteilung keine Betriebsvereinbarung gebe und daher die Bestimmungen des Arbeitszeitgesetzes anzuwenden seien. Die Ärztekammer hält dieser Argumentation entgegen, dass es eine generelle Betriebsvereinbarung für alle Landeskrankenhäuser gebe, auf die man zurückgreifen könne. Ein direkter Bezug auf das Arbeitszeitgesetz sei daher in keiner Weise notwendig.

Bestritten wird vom Direktorium auch ein Personalproblem im Zentrum für Seelische Gesundheit. Dort werde der medizinische Personalstand sogar um zwei Dienstposten überschritten, wurde betont. Dabei bezieht sich das LKH auf ein Gutachten von Univ.-Prof. Peter König. Auf den Vorwurf, dass zwei Fachärzte im Nachtdienst auf der psychiatrischen Abteilung zu wenig seien, wurde in der Aussendung nicht eingegangen. (APA)

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