Urteil gegen kroatischen Serben-Führer bestätigt

20. Juli 2005, 11:36
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Berufung gegen Kriegsverbrecher-Urteil von 13 Jahren Haft gescheitert

Den Haag - Der ehemalige kroatische Serben-Führer Milan Babic muss wegen der Beteiligung an Verbrechen gegen die Menschlichkeit für 13 Jahre ins Gefängnis. Eine Berufungskammer des UNO-Tribunals für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag (ICTY) bestätigte am Montag ein entsprechendes Urteil der ersten Instanz.

Der Angeklagte habe keine Hinweise liefern können, die eine grundsätzliche Revision des Ersturteils aus dem Juni vergangenen Jahres begründeten, sagte die Präsidentin des Tribunals, Florence Mumba. Damals hatte Babic zugegeben, für Hinrichtungen während des Kroatien-Krieges (1991-1995) verantwortlich gewesen zu sein.

Freiwillige gestellt

Ebenfalls eingestanden hatte Babic, bei der brutalen Vertreibung der nicht-serbischen Bevölkerung aus dem Osten Kroatiens (Krajina) Anfang der 90er Jahre mitgewirkt zu haben. Hunderte Menschen kamen dadurch ums Leben. Zahllose andere wurden unter unmenschlichen Bedingungen gefangen gehalten.

Babic hat die Beteiligung an diesen Verbrechen vor Gericht bereut, nachdem er sich freiwillig der Justiz gestellt hatte. Im Gegenzug für das Geständnis forderte die in erster Instanz eine Haftstrafe von nicht mehr als elf Jahren.

Keine geringere Strafe

Babic focht das darüber hinaus gehende Urteil von 13 Jahren unter anderem mit der Begründung an, das Gericht habe sein Bedauern und sein positives Verhalten nach den Verbrechen nicht ausreichend berücksichtigt. Zwar gab die zweite Instanz ihm darin teilweise Recht. Doch, so Mumba, reiche das nicht aus, um zu einer geringeren Strafe zu kommen.

Babic war während des Kroatien-Kriegs zunächst Bürgermeister der Serben-Hochburg Knin und stand in den Jahren 1991 und 1992 dann an der Spitze der selbst ernannten Serbenrepublik Krajina. Dieser wurde durch eine brutale Offensive des kroatischen Militärs 1995 ein Ende gemacht. Der verantwortliche General für diese "Operation Sturm", Ante Gotovina, ist ebenfalls vor dem UNO-Tribunal angeklagt, aber untergetaucht.

Anfänglich wurde Babic von dem damaligen serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic unterstützt, später zerstritten sich die beiden. Im November 2002 sagte Babic im Haager Prozess gegen Milosevic aus. (APA/dpa)

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