Frankreich und Österreich wollen Wirtschaft enger verknüpfen

27. Juli 2005, 17:11
posten

Grasser und Bartenstein bei Wirtschaftsminister Breton in Paris - GdF-Repräsentanz in Wien im Herbst und Zusammenarbeit von Forschungs-Clustern

Wien/Paris - Österreich und Frankreich wollen ihre Wirtschaft enger verknüpfen und den Außenhandel ankurbeln. Diese Absicht bekräftigten der französische Wirtschafts- und Finanzminister Thierry Breton, Finanzminister Karl-Heinz Grasser, Wirtschaftsminister Martin Bartenstein und der französische Industrieminister Francois Loos am Montag bei einer Pressekonferenz im Rahmen eines bilateralen Treffens in Paris. Die Initiative dazu war vom Besuch von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel bei Frankreichs Präsident Jacques Chirac im März in Paris ausgegangen.

Gaz de France eröffnet Repräsentanz in Wien

Breton würdigte die im EU-Vergleich niedrige Arbeitslosigkeit in Österreich von zuletzt 4,6 Prozent als Vorbild. Frankreich könne von allen Ländern lernen die bessere Beschäftigungsdaten hätten. Die französische Energiegesellschaft Gaz de France (GdF) werde im September eine Repräsentanz in Wien eröffnen, was die Zusammenarbeit am Energiesektor vorantreiben werde, sagte der französische Industrieminister Loos. Als konkrete Projekte nannten Grasser und Bartenstein die Kooperation von Clustern in Österreich und "Kompetenzzentren" in Frankreich im Bereich Forschung, Entwicklung und Universitäten.

Der Außenhandel zwischen Frankreich und Österreich habe sich dynamisch entwickelt und sei im ersten Quartal sowohl bei österreichischen Exporten als auch bei Importen zweistellig gewachsen, unterstrich Bartenstein. Im Industriebereich habe Österreich mit Zulieferungen an Airbus punkten können. Es stünden auch Beteiligungen im Raum. "Die Chancen sind da", betonte der Wirtschaftsminister.

Angesprochen auf europäische Politik verteidigte Bartenstein, dass Österreich im EU-Rahmen für ein deutlich höheres Maß an Flexibilisierung der Arbeitszeit als Frankreich eintrete. Bei der europäischen Dienstleistungsrichtlinie müsse es noch Gespräche geben.

Diskussionen über Zusammenarbeit

An drei Themen-Tischen wird am Montag in den Bereichen Energie, Aeronautik und Transport über Möglichkeiten der Zusammenarbeit diskutiert. Aus Österreich ist eine hochrangige Unternehmerdelegation aus den Branchen Energie (Verbund, OMV) Luftfahrt (Frequentis, FACC, Böhler-Uddeholm), Auto (Miba) sowie Handel (Eurotradia) und Getränke (Red Bull) nach Paris gereist. Red Bull ist in Frankreich derzeit nicht zugelassen, weil es nach der französischen Rechtslage als angereichertes Lebensmittel gilt. Der österreichische Getränkehersteller möchte eine Zulassung auch am französischen Markt erreichen.

Frankreich ist derzeit hinter Deutschland, Italien, den USA und der Schweiz fünftgrößter Absatzmarkt österreichischer Waren, bei den Lieferländern liegt Frankreich hinter Deutschland und Italien an dritter Stelle. Im Jahr 2004 erzielte Österreich einen Handelsbilanzüberschuss von 145 Mio. Euro. (APA)

Share if you care.