Fini will Alleanza Nazionale neu gründen

25. Juli 2005, 18:43
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Nach Entmachtung der Parteispitze sucht Italiens Außenminister nach Neubeginn - Krisensitzung am 28. Juli

Rom - Nachdem der Vorsitzende von Italiens rechter Regierungspartei Alleanza Nazionale (AN), Gianfranco Fini, am Montag die Spitze seiner Partei entmachtet hat, sucht die Gruppierung einen Neubeginn. Am 28. Juli ist eine Krisensitzung der Parteidelegierten geplant, bei der über die neue Führung der Gruppierung diskutiert werden soll. "Jetzt haben alle begriffen, wer der Parteichef ist", wurde Fini von italienischen Medien zitiert.

Der Außenminister arbeitet an den Namen der neuen Parteiführung. "Ich will mit jungen Mitarbeitern zu tun habe, denen ich vertrauen kann", sagte Fini. Als neue "Nummer Zwei" der Partei ernannte Fini den 42-jährigen Marco Martinelli, der die Umstrukturierung der Partei in die Wege leiten soll.

Rache an Parteispitze

Mit einem unerwarteten Beschluss hatte sich Fini am Montag an seinen Vertrauensleuten gerächt, die ihn in den vergangenen Wochen stark unter Druck gesetzt und ihn hinter seinem Rücken angeprangert hatten. Er entmachtete die Vizepräsidenten der Partei sowie Mitglieder der Parteiführung und die regionalen Verantwortlichen wurden ihres Amtes enthoben. Der AN-Chef und Außenminister reagierte somit auf einen heftigen internen Krieg gegen seine bisher engsten Parteifreunde, der vergangene Woche den Siedepunkt erreicht hatte.

Vorwurf der Unfähigkeit

Die römische Tageszeitung "Il Tempo" hatte am Freitag ein Gespräch zwischen drei Spitzenmitgliedern der Partei in einer Bar in Rom per Band aufgenommen und veröffentlicht. Diese warfen Fini vor, als Parteichef total unfähig zu sein. Der wütende Parteichef verlangte von den drei Politikern eine offizielle Entschuldigung. Diese baten den Parteichef in einem Brief um Verzeihung, was ihnen jedoch Finis "Rache" nicht ersparte.

Der 52-jährige Fini war in den letzten Wochen stark unter Druck geraten. Unter anderem hatte er sich gegen die Parteispitze für das Ja beim Bioethik-Referendum am 12. und 13. Juni ausgesprochen. Ein katholischer AN-Flügel um Landwirtschaftsminister Gianni Alemanno ("Soziale Rechte") hatte deswegen seinen Rücktritt gefordert. Beim AN-Kongress hatte Fini jedoch die Krise abgewendet.

Ende der Partei

"Der interne Krieg in der AN-Spitze bedeutet das Ende der Partei", meinte Alessandra Mussolini. Die blonde Parlamentarierin war im November 2003 aus der zur staatstragenden Partei normalisierten Alleanza Nazionale ausgestiegen und hatte die rechtsextreme "Alternativa Sociale" mit Verbindungen zum fragwürdigen Milieu des römischen Neofaschismus aufgebaut.

"Alternativa Sociale ist die einzig wahre Partei der italienischen Rechten", betonte die Duce-Enkelin. Sie rief die rechtsorientierten Aktivisten zu einer Großdemo am 23. Juli in Rom auf, bei der "wir eine neue Phase für die Rechte in Italien beginnen wollen", so die 42-Jährige. (APA)

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    Gianfranco Fini, Chef der AN

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