In Italien boomen die Kinder-Handys

26. Juli 2005, 10:15
posten

Hälfte der Bambini unter elf Jahren besitzt ein Mobilfunktelefon

Die italienischen Psychologen schlagen wegen der Handy-Verbreitung unter Kindern Alarm. Die Hälfte der italienischen Mädchen und Buben unter elf Jahren besitzt ein Mobiltelefon, das sie meistens von den Eltern als Geschenk bekommen haben. Wie aus einer Studie des Kinderschutzverbands "Telefono Azzurro" hervorgeht, haben die italienischen Kinder ihre Handys fast permanent eingeschaltet. Nur 20 Prozent drehen es in der Kirche ab. In der Schule wird das Mobiltelefon nur von 14 Prozent der Befragten ausgeschaltet.

Notwenig

30 Prozent der italienischen Kinder meinen, das Mobiltelefon sei im Leben notwendig. Für rund 54 Prozent ist es dagegen ein Mittel, um mit Eltern und Freunden Kontakt zu halten. 89 Prozent der befragten Kinder kommen aus Familien, in denen beide Elternteile Handys besitzen. Den Trend zum Kinder-Handy unterstützen offenbar auch die Eltern, für die es einen Sicherheitsaspekt darstellt. Für viele Mütter und Väter sei es wichtig, dass ihr Kind stets erreichbar ist, heißt es in der Studie.

Von einem "technologischen Spielzeug" abhängig

Psychologen warnten die Eltern, ihren Kindern nicht vor dem Alter von zwölf Jahren Handys zu schenken. Die Bambini seien immer mehr von einem "technologischen Spielzeug" abhängig, statt persönliche Kontakte zu entwickeln. Der Kinderschutzverband Moige rät den Eltern auch aus anderen Gründen, den Kauf von Handys für den Nachwuchs hinauszuzögern. "Man kennt immer noch nicht die Effekte elektromagnetischer Wellen auf das Gehirn. Kinder sollten daher von Mobiltelefonen fern gehalten werden. Außerdem sind Handys ein Weg, mit dem Pädophile leichter mit Kindern in Kontakt treten können", so ein Sprecher des Verbands.

Auch Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi stellte vergangene Woche fest, dass Handys bei Kindern und Jugendlichen immer verbreiteter seien. "In der Klasse meines Sohnes hat jeder Schüler im Durchschnitt zwei Handys", sagte der Ministerpräsident. Er wertet dies übrigens als "Zeichen des Wohlstands in Italien".(APA)

Share if you care.