Studie: Kriegsbeteiligung an US-Seite erhöht Terrorgefahr

18. Juli 2005, 17:25
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Verteidigungsminister weist Schlussfolgerungen zurück, dass Behörden dem internationalen Terrorismus niedrigere Priorität eingeräumt hätten

London - Die Kriegsbeteiligung Großbritanniens im Irak und in Afghanistan hat nach einem Expertenbericht zu den Selbstmordanschlägen in London beigetragen. Die enge Partnerschaft von Premierminister Tony Blair mit US-Präsident George W. Bush habe die Terrorgefahr auf der britischen Insel erhöht, hieß es in einem Bericht der angesehenen Denkfabrik Chatham House, auch als Königliches Institut für Außenpolitik (RIIA) bekannt, wie britische Zeitungen am Montag berichteten. Das Schlüsselproblem Großbritanniens bei der Abwehr von Anschlägen sei es, dass es als "Sozius neben den Vereinigten Staaten im Krieg gegen den Terrorismus fahre", hieß es nach den Angaben in dem Bericht. Das Institut komme in seinem Bericht zu dem Schluss, es könne "keinen Zweifel" daran geben, dass die Invasion des Irak für das "Al-Kaida-Netzwerk bei seiner Propaganda, der Rekrutierung und der Mittelbeschaffung einen Aufschwung" bedeutete. Gleichzeitig habe man Terroristen mit der Kriegsbeteiligung ein "ideales Ziel und Erprobungsgebiet" verschafft.

Unterstützung und Planung von Terrortaten

Bereits Mitte der 90er Jahre sei der britischen Polizei und den Geheimdiensten bewusst gewesen, dass London zunehmend als Basis für die Unterstützung und Planung von Terrortaten im Nahen Osten und anderswo diente. Da die Verdächtigen jedoch keine unmittelbare Gefahr für die nationale Sicherheit gewesen seien, hätten sie weitgehend ungestraft weiter agieren können - sehr zum Missfallen anderer, betroffener Länder. Da die britischen Behörden dem internationalen Terrorismus eine niedrigere Priorität einräumten, hätten sie die Bedrohung durch Al Kaida nicht richtig erkannt, heißt es in dem Bericht.

Schlussfolgerungen

Verteidigungsminister John Reid wies die Schlussfolgerungen des Berichts zurück. Die Anschläge in London mit über 50 Todesopfern, sowie in der Türkei und im Irak zeugten davon, dass es sich beim Terrorismus um eine internationales Problem handele. "Die Terroristen wollen jeden töten, der ihrer perversen Ideologie im Wege steht", sagte der Minister. "Wir entschuldigen uns nicht dafür, mit unseren internationalen Partnern, die USA eingeschlossen, bei Operationen zusammenzuarbeiten, die nach unserem Urteil im besten Interesse Großbritanniens und der Welt sind", sagte Reid weiter.

Verfasser des Berichts sind Paul Wilkinson, der Leiter des Zentrums für Terrorismusforschung an der schottischen Universität St. Andrews, und Frank Gregory von der englischen Universität Southampton. Die beiden Wissenschaftler verweisen darauf, dass Großbritannien bis zum Jahr 2001 die Bedrohung durch Islamisten vernachlässigte und lange Zeit Extremisten Unterschlupf bot, die Anschläge in anderen Ländern vorbereiteten. Die britischen Behörden hätten sich zu lange auf den Nordirlandkonflikt und die Gefahr durch die Irisch-Republikanische Armee (IRA) konzentriert. (APA/dpa/AFP)

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